Die ersten Rohre wurden bereits verlegt, ab 2020 soll die Ostseepipeline Nord Stream 2 russisches Gas direkt nach Deutschland transportieren. Ob es soweit kommen wird, ist allerdings noch nicht sicher. Denn die Vereinigten Staaten versuchen vehement, das Projekt zu verhindern. So setzen sie derzeit gezielt deutsche Unternehmen unter Druck, die am Bau der Gasleitung beteiligt sind.

„Wir betonen weiterhin, dass sich Firmen, die sich im russischen Energieexport-Sektor engagieren, an etwas beteiligen, das mit einem erheblichen Sanktionsrisiko verbunden ist“, heißt es in einem Brief des US-Botschafters Richard Grenell an mehrere Unternehmen, der der „Bild am Sonntag“ vorliegt. „Im Ergebnis untergraben Firmen, die den Bau unterstützen, aktiv die Sicherheit der Ukraine und Europas“, schreibt der Botschafter.

Deutsche Unternehmen geraten nicht zum ersten Mal ins Visier des Botschafters. Bereits Ende 2018 drohte er mit Sanktionen. Nun warnte er Firmen erneut vor Reputationsverlust, Sanktionen und Gefahren für die Energiesicherheit. „Der Brief ist nicht als Drohung aufzufassen, sondern als klare Botschaft der US-Politik“, sagte ein Sprecher.

Außenminister Heiko Maas wollte auf die erneute Provokation nicht reagieren. Allerdings hatte er bereits vergangene Woche die schärfer werdende Kritik der US-Regierung an Nord Stream 2 zurückgewiesen. „Fragen der europäischen Energiepolitik müssen in Europa entschieden werden, nicht in den USA“, erklärte der SPD-Politiker.

Doch stößt die Pipeline auch in der EU auf Widerstand. Vor allem osteuropäische Staaten wollen das Projekt stoppen. Sie argumentieren mit der Bedrohung, die von Russland ausgehe. Aber auch Dänemark hat sicherheitspolitische Bedenken. Berlin hingegen weist stets darauf hin, dass Nord Stream 2 ein rein wirtschaftliches Projekt sei. Ein Rückzug deutscher Unternehmen würde das Projekt nicht verhindern, sondern lediglich dazu führen, dass die Pipeline von Russland alleine gebaut würde, sagte Maas zuletzt.

Scharfe Kritik am Verhalten des Botschafters kam aus dem Bundestag. „Dass sich der US-Botschafter jetzt mit direkten Drohungen an deutsche Unternehmen wendet, ist eine neue und unakzeptable einseitige Verschärfung des Tons im transatlantischen Verhältnis“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt.  Die Bundesregierung sollte Protest einlegen. Fabio De Masi, Fraktionsvize der Linken, wurde noch deutlicher: „Der US-Botschafter hat offenbar den Eindruck gewonnen, er sei der Statthalter eines Imperators aus Washington in Deutschland.“ Sanktionen gegen Unternehmen seien völkerrechtswidrig.