Rennradfahrer lieben diese Steige. Weil sie in einem guten Zustand ist und nahezu autofrei. Die Steige beginnt am Ende des Dobeltals, das von Zwiefalten Richtung Südwesten führt. Nach einem Kilometer bergauf macht die Kreisstraße 6744 im Wald einen scharfen Bogen nach Nordwesten. Fünf Minuten noch feste treten. Jetzt öffnet sich eine Hochfläche, die sich leicht nach Norden neigt.

Zunächst kommt ein pilzartiger Wasserturm in Sicht, schließlich die ersten Häuser von Upflamör. Breit zieht sich die Straße durch den Ort. Einige Häuser wirken unbewohnt, an den Fensterrahmen löst sich die Farbe. Am "Adler" hängt das Wirtshaus-Schild noch, aber die Vitrine mit dem Speisenaushang ist ausgerissen. Der rote Verputz des alten Rathauses: beschädigt. Aber es gibt auch einige sehr gepflegte Bauernhäuser, und die Fassade der Kirche St. Blasius ist frisch getüncht.

Auffällig: In Upflamör fehlt der nicht immer ansehnliche Kranz von neuen Einfamilienhäusern, der sonst die Dörfer auf der Alb oft umgibt. Lauter alte Gebäude markieren die Ortsgrenze. Eine Katze sitzt auf der Dorfstraße. Kein Leben hier? Plötzlich taucht ein Schwarm von Kindern auf. "Wir machen eine Dorf-Rallye", erzählen sie und zeigen ihre Zettel mit den Quizfragen. Sie sollen rausfinden, wie viele Häuser Upflamör hat und wo sich die Lourdes-Grotte befindet. Sie kommen vom Gymnasium Riedlingen, ein Schulkamerad hat sie in sein Dorf eingeladen.

Upflamör steckt im Überlebenskampf. In den vergangenen Jahrzehnten ist viel von der Infrastruktur weggebrochen. Das Rathaus wurde geschlossen, als Upflamör 1971 nach Zwiefalten eingemeindet wurde. Die Schule ist seit 50 Jahren dicht. Die sieben Schulkinder bringt der Schulbus jeden Tag nach Zwiefalten, ebenso die drei Kindergartenkinder. Drei Wirtschaften besaß Upflamör einmal. Alle haben zugemacht. Weder einen Bäcker noch einen Metzger gibt es, noch sonst einen Laden. Einmal in der Woche kommen Verkaufswagen mit Backwaren, Fleisch und Wurst.

"Da kaufen die Alten ein", erzählt Florian Schwendele. Der 27-jährige Industriemechaniker sitzt mit seinen Freunden vor einem Blockhaus am Waldrand. Eben haben die zwei Frauen und fünf Männer eine Stunde lang das Programm der Dorfgemeinschaft besprochen. Schwendele ist seit Februar der Vorsitzende dieses Vereins. Die 61 Mitglieder versuchen, Upflamör Leben einzuhauchen. Das tun die jungen Upflamörer ganz erfolgreich. Sie organisieren Maibaumfeste, Vatertagswanderungen, veranstalten das Funkenfeuer, die Winterfeier und am ersten Juliwochenende das Dorffest in der Maschinenhalle der Firma Högner. In der Fasnet sind die Upflamörer Berg-Deifel mit 40 Hästrägern unterwegs. "Die Dorfgemeinschaft ist unser großes Plus", sagt Schwendele, "der Zusammenhalt ist bei uns besser als in vielen größeren Dörfern."

1922 wohnten 177 Menschen in Upflamör. Seitdem ging die Einwohnerzahl stark zurück. "Als ich auf die Welt kam, war ich der 105. Bürger", berichtet Schwendele. Inzwischen leben 82 Erwachsene und Kinder im Dorf. Doch der Vorstand der 1986 gegründeten Dorfgemeinschaft wirkt keineswegs pessimistisch. "Wir haben auch noch die Feuerwehr und den Kirchenchor", wirft Manuel Schwendele ein. Er selbst ist der Abteilungskommandant der Wehr. Als einziges Gerät verfügt die Wehr über einen Tragkraftspritzenanhänger ohne Zugmaschine.

Der zweite Vorsitzende Harald Sauter ist Industriemeister von Beruf und arbeitet in Ulm-Einsingen. Jeden Tag fährt er 50 Kilometer hin und 50 Kilometer zurück. Sauter: "Das nehm ich in Kauf." Wegziehen von Upflamör? Kommt für ihn gar nicht in Frage. Warum? "Schauen Sie sich um hier, dieses Panorama." Vom Dorf aus gibt es einen phantastischen Blick auf das Zwiefalter Münster und auf die Albhochfläche. Die Bürger lieben den Platz vor der 1992 gebauten Blockhütte. Daneben ist ein Bolzplatz. Den pflegen sie selbst.

Obwohl es viel Raum um das Dorf herum gibt, ist es schwierig, einen Bauplatz zu finden. "Es gibt kein ausgewiesenes Baugebiet", stellt Florian Schwendele fest. Beisitzerin Simone Siefert klagt: "Es ist ein Riesenaufwand, bis man bauen darf. Das dauert Jahre. Da verlieren die Leute die Lust." Das führt zu Stillstand. Manche wandern ab, weil sie nicht bauen dürfen oder weil ihr Arbeitsplatz zu weit weg liegt. "Vor allem die jungen Frauen gehen", sagt Simone Siefert.

Aber immerhin: Es gibt wieder einen leichten Aufwärtstrend. Die Einwohnerzahl hat sich seit 2009 um 14 erhöht. "Die Fertilität hat sich gebessert, ich habe das angemahnt und mit der Einebnung des Ortes gedroht", scherzt der Zwiefaltener Bürgermeister Hubert-Jörg Riedlinger.

Immerhin tut sich auch etwas auf gewerblichem Gebiet. Upflamör ist Sitz der Firma Högner, ein Lohnunternehmen mit Agrarservice. 1959 hat Karl Högner mit einem Selbstfahrmähdrescher John Deere 150 S erstmal für andere Leute gedroschen. Heute steht der Hof voller riesiger Ernte- und Mähmaschinen, die drei Söhne Peter, Christoph und Jürgen Högner haben den Betrieb ausgebaut. Die Högner GbR ist in der ganzen Gegend ein Begriff.

Bekannt ist Upflamör auch durch ein Ferienhaus. Das jahrhundertalte Gebäude ist vom Kloster Zwiefalten erbaut worden. Von 1954 bis 2003 nutzte es der Landkreis Biberach als Schullandheim. Das Ehepaar Geister erwarb das Haus 2005 und sorgte dafür, dass wieder Leben in das alte Heim einkehrte.

Hinter den Feldern versinkt die Sonne. "Wir glauben, dass Upflamör überlebt", sagt Florian Schwendele, "der neue Trend gibt Anlass zur Hoffnung." Die Dorfgemeinschafts-Aktiven brechen auf. Sie strotzen vor Optimismus.

Wie der Ort zu seinem Namen kam