Bernd Lucke ist eigentlich nur einer von drei Sprechern der Alternative für Deutschland (AfD), aber er ist eindeutig der Superstar dieser neuen Partei. Noch vor der wahlauswertenden Pressekonferenz wird er vor diverse Kameras geholt. Und weil man sich im Ausland einige Sorgen wegen der europapolitischen Ansichten der AfD macht, wird Lucke auch von nichtdeutschen Journalisten befragt. In fließendem Englisch gibt der Ökonomieprofessor aus Hamburg Interviews, um dann in die angemieteten Räume der Bundespressekonferenz zu eilen und zu erklären, man habe bei dieser Bundestagswahl ein Resultat erzielt, "auf das wir außerordentlich stolz sind".

Tatsächlich ist der Aufstieg der Euro-Kritiker-Partei atemberaubend. Vor einem halben Jahr gegründet, hat die AfD jetzt nach Eigenangaben fast 17 000 Mitglieder. Aus dem Stand schaffte man es fast in den Bundestag. Eine historische Leistung, aber eine unvollendete. Lucke empfindet "ein gewisses Gefühl der Enttäuschung, dass die letzten 0,3 Prozent, die erforderlich gewesen wären, um ins Parlament hineinzukommen, uns dann doch gefehlt haben".

Aber trauern will Bernd Lucke nicht. Vielmehr schaut er in die unmittelbare Zukunft und sieht dort als erstes die Europawahl im kommenden Jahr. Da würden wieder "die Themen im Wahlkampf eine Rolle spielen", die für die AfD zu den wichtigsten gehören. "Nämlich die Kritik am Euro-System und an der Schuldenvergemeinschaftung. Aber auch die Fragen des sich etwas unkontrolliert ausbreitenden zentralisierten Staatenbundes in Europa." Als Lucke später gefragt wird, ob er sich als künftigen Europaabgeordneten sieht, weicht er aus. "Ich kann mir vieles vorstellen", sagt er. Vorerst muss der beurlaubte Professor erst einmal mit seinem Arbeitgeber und seiner Partei klären, ob er künftig hauptamtlich für die AfD tätig sein kann.

Sehr wichtig sind der neuen Partei die Landtagswahlen 2014 in Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Schließlich war man bei der Bundestagswahl in Ostdeutschland erfolgreicher als im Westen. Außer in Sachsen-Anhalt kam die AfD überall in den neuen Ländern über die Fünf-Prozent-Hürde. Die Erklärung für den Erfolg? Bernd Lucke sieht da unter anderem den Zulauf aus der Linkspartei. Der Vizesprecher und Spitzenkandidat in Brandenburg, Alexander Gauland, meint, "die Parteienbindung ist im Osten nicht so stark" Konrad Adam, ein weiterer Sprecher der AfD sagt: "Die Ostdeutschen haben mit Experimenten keine schlechten Erfahrungen gemacht."

Eine Unterwanderung der AfD durch Rechtsextreme fürchten die Parteichefs nicht. Bernd Lucke stöhnt fast auf, als die Frage kommt und versichert: "Wir haben uns bis zur Ermüdung abgegrenzt." Und Alexander Gauland berichtet, er habe während des gesamten Wahlkampfes bei seinen Veranstaltungen keinerlei rassistische oder rechtsradikale Bemerkungen gehört. Noch nicht einmal konservative Partei will die AfD laut Lucke sein. Nur eine der Vernunft. Und eine, "die eine Werteorientierung hat".