USA Uno kritisiert Trumps Flüchtlingspolitik

Präsenz an der Südgrenze: US-Patrouille nahe San Ysidro.
Präsenz an der Südgrenze: US-Patrouille nahe San Ysidro. © Foto: Sandy Huffaker/Getty Images/AFP
Washington / Peter De Thier 07.06.2018

Das UN-Menschenrechtskommissariat hat die USA aufgefordert, Kinder von illegal ins Land gekommenen Einwanderern nicht weiter von ihren Eltern zu trennen. Die USA müssten diese Praxis sofort stoppen, sagte Sprecherin Ravina Shamdasani. Das „beste Interesse des Kindes“ müsse immer an erster Stelle kommen, unabhängig von den jeweiligen Zielen der Einwanderungspolitik. US-Justizminister Jeff Sessions verteidigte die Politik: „Wenn Menschen nicht von ihren Kindern getrennt werden wollen, dann sollten sie sie nicht mitbringen.“ Sessions hatte eine „Null Toleranz“-Politik gegenüber Illegalen ausgerufen, die von Mexiko ins Land kommen.

Seit Anfang Mai haben US-Einwanderungsbehörden mehr als 600 Kinder von ihren Eltern getrennt, als diese versuchten, illegal die Grenze von Mexiko in die USA zu überqueren. In den meisten Fällen wurden die Mütter und Väter abgeschoben, während ihr minderjähriger Nachwuchs in Unterkünften bleiben musste, die das US-Gesundheitsministerium zur Verfügung stellt. Weil unklar ist, wo sich viele dieser „verlorenen Kinder“ aufhalten, kommt es zu Demonstrationen und einer Welle des Protests in sozialen Netzwerken.

Vor vier Wochen hatte etwa Miguel Ortiz aus El Salvador versucht, mit seiner Frau und zwei Töchtern (sechs und neun Jahre alt) durch die Sonora-Wüste nach Amerika (Arizona) zu kommen. Ein Farmer, der Überwachungskameras installiert hatte,  sah die Einwanderer auf dem Monitor in seiner Küche und kontaktierte Agenten der U.S. Customs and Border Patrol. Binnen weniger als einer Stunde wurde das Ehepaar Ortiz in Handschellen abgeführt. Miguel und seine Frau saßen drei Tage in einem Sammelknast und wurden dann abgeschoben. Ohne ihre Töchter, die bis heute offenbar in einem Heim untergebracht sind. Wo sich dieses befindet, darüber können oder wollen die Behörden aber keine Auskunft geben.

Die Familie aus El Salvador ist keine Ausnahme. Fast 11 000 Kinder, von denen die meisten allerdings versuchten, alleine über die Grenze zu kommen, sitzen in Heimen oder wohnen bei „Sponsorenfamilien“. „Babys werden ihren Müttern buchstäblich aus den Armen gerissen“, sagt Jesse Morales Rocketto, der in Washington eine Kundgebung organisierte. Cathy Schneider, Dozentin an der American University in Washington, sagt: „Ich erkenne dieses Land nicht wieder.“

Präsident Trump, Justizminister Sessions und andere Mitglieder der Regierung lässt das kalt. „In jeder amerikanischen Stadt, in jeder Gemeinde, wird verhaftet, wer ein Verbrechen begeht“, sagte Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen. „Das gilt selbstverständlich auch an der Grenze zu unserem Land.“

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