Nein, einen Aufstand der Wertkonservativen in CDU und CSU hat es weder am Dienstag noch am Mittwoch gegeben. Hörbaren Unmut aber schon. Besonders als Fraktionschef Volker Kauder, selbst einer der entschiedensten Gegner der Ehe für alle, in der Fraktionssitzung für Respekt vor denen warb, die in dieser „Gewissensfrage“ eine abweichende Meinung von der bisherigen Beschlusslage der Union haben. Diesen Respekt ihrer Kollegen und der Führung, so meinten einige Abgeordnete vom rechten Parteiflügel, hätten sie sich auch gewünscht, als sie vor Jahren gegen Griechenland-Hilfen und Euro-Rettungspakete gestimmt hatten.

Ein prominenter Vertreter des konservativen „Berliner Kreises“ äußerte sich bitter über den jüngsten Kursschwenk der Kanzlerin: „Da sieht man mal wieder, dass der Dame nichts heilig ist.“ Das Festhalten an der Ehe zwischen Mann und Frau gehöre zum „harten Kern der CDU-Familienpolitik, den wir eigentlich nicht preisgeben dürften“.

„Was wir am Freitag im Bundestag erleben, ist das Kapern des Begriffs der Ehe durch eine Verfahrensmehrheit – und das ist unseriös“, sagte auch Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU). Merkel wollte er dagegen keinen Vorwurf machen. Sie selbst hatte das Vorgehen der SPD in der Unions-Fraktion Teilnehmern zufolge als „überfallartig“ kritisiert.

Die Ehe für alle nun bald auch in Deutschland? In einigen Ländern ist dies schon der Fall.

Vereinzelt wurden in der Unionsfraktion sogar Forderungen laut, die SPD-Minister zu entlassen. Allerdings fürchteten die Abgeordneten eine Trotzreaktion der Sozialdemokraten – etwa, indem sie ein konstruktives Misstrauensvotum ansetzen und Kanzlerin Merkel gemeinsam mit den Stimmen der Linken und der Grünen stürzen. Am Mittwoch hatte die SPD bereits mit Grünen und Linken im Rechtsausschuss gestimmt und so erst die Abstimmung am Freitag ermöglicht.

Erwartet wird jetzt, dass eine große Mehrheit der Unionsfraktion am Freitag gegen das Gesetz stimmt. Da SPD, Grüne und Linke geschlossen dafür votieren wollen, wird von einer Mehrheit ausgegangen. Die drei Parteien haben zusammen 321 Sitze. Die Union kommt – zusammen mit der fraktionslosen Erika Steinbach, die das Gesetz ebenfalls ablehnt – auf 310 Sitze.

Wenn der Beschluss dann den Bundesrat passiert, was als sehr wahrscheinlich gilt, könnte das Gesetz im Herbst oder zum Jahresende in Kraft treten. Damit aber müssen sich die Konservativen nicht geschlagen geben. Einige haben bereits angekündigt, in Karlsruhe zu klagen. Strittig ist, ob für die Ehe ein einfaches Gesetz reicht oder ob es eine Grundgesetzänderung braucht. Justizminister Heiko Maas (SPD) glaubt, dass eine Verfassungsänderung unnötig ist.

Video Merkel rückt vom Nein der CDU zur Ehe für alle ab