Kommentar Unilever-Drohung: Klima wird für Facebook rauer

Michael Gabel
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Berlin / Michael Gabel 14.02.2018
Wegen Hetzreden auf Facebook droht Unilever damit, als Werbekunde abzuspringen. Das könnte Nachahmer finden.

Nein, es ist nicht der Anfang vom Ende des beispiellosen Aufstiegs der amerikanischen Internet-Konzerne. Aber sollte der Konsumgüterriese Unilever mit seiner Drohung Ernst machen, keine Werbung mehr zu schalten, wäre es für Facebook und Google doch ein empfindlicher Schlag. Denn die US-Unternehmen wollen vor allem eins: viel Geld verdienen. Ein Verlust von Werbe-Milliarden ist da nicht vorgesehen.

Die Argumentation von Unilever lässt sich gut nachvollziehen. Keinem Unternehmen ist zuzumuten, in einem Umfeld von Hetzreden und Dschihad-Propaganda für seine Produkte zu werben. Wie sehr Unilever allerdings bereit ist, seine Drohung wahrzumachen, wird sich erst noch zeigen. An den großen Internetplattformen führt für Werbekunden eigentlich kein Weg vorbei. Deshalb drängt sich die Vermutung auf, dass der Konsumgüterkonzern eher eine Art Rückversicherung anstrebt. Denn sollte es wie jetzt bei Fielmann und der Postbank zu einem Aufschrei kommen, weil Anzeigen unglücklich platziert sind, könnte man argumentieren: Wir haben ja gewarnt.

Obwohl der Verlust eines einzigen Kunden für die Internet-Giganten zu verschmerzen sein dürfte, wird das Klima für sie doch insgesamt rauer. Andere Werbekunden könnten dem Weg von Unilever folgen. Auch haben Politiker und Gerichte beim Datenschutz und bei hetzerischen Inhalten die Daumenschrauben zuletzt kräftig angezogen. Und wer weiß, vielleicht schafft es die EU ja endlich, die Steuerschlupflöcher für Facebook und Google zu schließen. Die Geldquellen der Quasi-Monopolisten werden zwar auch dann nicht versiegen. Aber etwas weniger heftig sprudeln.