Leitartikel Elisabeth Zoll zum Kommunionsstreit Unheiliger Streit um Kommunionempfang

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Elisabeth Zoll 28.06.2018

Es ist viel Porzellan zerschlagen worden in den vergangenen Wochen. Nicht nur in der Politik, auch in der katholischen Kirche. Der Streit über den Kommunionsempfang nichtkatholischer Ehepartner, den sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nach Rom getragen haben, hat im Kirchenvolk Verärgerung ausgelöst. Sollten Pfarrer, die vielerorts ganz praktisch vorgehen, an die kurze Leine genommen werden? Soll die im Lutherjahr so gepriesene Ökumene wieder auf den schönen Schein und all das, was im Verborgenen geschieht, reduziert werden? Und würden die kleine Gruppe der selbsterklärten Dogmenhüter unter den Bischöfen die große Mehrheit der Oberhirten  mit einem Machtwort aus Rom auf ihren Kurs zwingen?

Der Versuch wurde gemacht. Briefe gingen nach Rom und wieder zurück. Das hat Gräben in der Bischofskonferenz aufgerissen. Die große, an der Seelsorge orientierte Mehrheit wurde von einer beharrungswilligen Minderheit unter Druck gesetzt. Sie missdeuteten die für Einzelfälle formulierte Handreichung der Bischofskonferenz als generelle Öffnung der Kommunion für evangelische Christen – und begehrten dagegen öffentlich auf.

Der Vorgang versetzt dem Ansehen der Bischöfe einen schweren Schlag. Im Land der Ökumene, in dem katholische und evangelische Christen gleich stark sind, ist die Geduld vieler Kirchenmitglieder für theologische Streitfragen erschöpft. Statt bischöflicher Spitzfindigkeiten erwarten gemischt-konfessionelle Paare (immerhin 40 Prozent aller kirchlich Getrauten) Lösungen. Um diese rang gerade auch der Ständige Rat der Bischöfe. Dort sollen Scherben gekittet werden.

Einfach ist das nicht. Neben persönlichen Animositäten berührt der Streit um die Handreichung grundsätzliche Fragen: Wie autonom sind die nationalen Kirchen und die verantwortlichen Ortsbischöfe? Bei welchen Fragen hat Rom das Sagen, bei welchen Verantwortliche vor Ort? Die Fragen berühren das Thema  Einheit der Weltkirche – und die Macht. Der Kampf zwischen einflussreichen Männern in der Zentrale in Rom und Ortskirchen, die selbst gestalten wollen, prägt den Konflikt. Ein Roll-Back zu den Zuständen der Vor-Franziskus-Zeit ist jederzeit möglich.

 Dazu trägt ausgerechnet jener bei, der die oftmals hasenfüßigen nationalen Bischofskonferenzen ermuntert hat, für ihr Land, ihre Kultur eigene Wege in pastoralen Fragen zu suchen: Franziskus. Seine schriftliche Intervention im deutschen Kommunionsstreit, die vom Präfekten der Glaubenskongregation Luis Ladaria formuliert wurde, hat Verwirrung gestiftet.  Hatte er nach den Ermutigungen in den zurückliegenden Jahren nun einen „Stopp“ ausgesprochen oder störte ihn nur, dass die Bischofskonferenz tätig wurde? Bremst er gar aus Rücksicht auf die zahlreichen ultrakonservativen Gegner? Franziskus schob mündliche Erklärungen hinterher. Doch wie verbindlich sind sie? Der Papst gefährdet mit seinem spontanitätsgeneigten Zick-Zack-Kurs die eigene Glaubwürdigkeit. Das ist eine Steilvorlage für seine zahlreichen erzkonservativen Gegner.

leitartikel@swp.de

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