Berlin/Moskau Umstrittene Worte

Berlin/Moskau / STEFAN SCHOLL UND AFP 05.04.2014
Die Äußerungen von Finanzminister Schäuble zur Krim haben im Kreml für Ärger gesorgt. Berlin will diesen Streit beenden. Schäuble selbst wehrt sich gegen den Vorwurf, einen Hitler-Vergleich angestellt zu haben.

Die Bundesregierung ist nach dem Ärger mit Russland wegen Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Krim-Krise um zurückhaltendere Töne bemüht. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte gestern, alle Mitglieder der Regierung seien sich der "enormen Grausamkeiten", die im Zweiten Weltkrieg in deutschem Namen in Russland begangen worden seien, "vollkommen bewusst". Ansonsten wollte er auf den Streit nicht näher eingehen. "Es ist alles gesagt. Wir haben hier nichts mehr beizutragen."

Schäuble hatte am Montag im Gespräch mit Schülern Parallelen zwischen Russlands Vorgehen auf der Krim und der Annexion des Sudetenlandes 1938 durch Nazi-Deutschland gezogen. Mit Blick auf ein mögliches Szenario sagte er: "Das kennen wir alles aus der Geschichte. Mit solchen Methoden hat schon der Hitler das Sudetenland übernommen - und vieles andere mehr." Daraufhin hatte sich die russische Regierung am Donnerstag offiziell beschwert. "Die pseudohistorische Exkurse des Ministers sind provokativ", zitiert die Nachrichtenagentur Itar-Tass die russische Stellungnahme. "Die Analogien, die er sich erlaubt, sind eine grobe Verzehrung der historischen Fakten."

In der ARD-Sendung "Beckmann" verteidigte der CDU-Politiker am Donnerstagabend seine Äußerungen. Er habe niemanden mit Adolf Hitler verglichen. Wörtlich sagte Schäuble: "Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit jemandem vergleiche." Er habe lediglich die Situation rund um die Krim-Krise erklärt, woraus dann ein Satz isoliert veröffentlicht worden sei. Nach Angaben des Finanzministeriums sagte Schäuble schon im Gespräch mit den Schülern: "Deshalb müssen wir den Russen sagen, wir vergleichen Euch mit niemand. Aber Ihr müsst wissen: Das geht nicht. Wir müssen das anders lösen."

Derweil werden auch in Russland umstrittene Vergleiche gezogen. So attackierte jetzt der kremlnahe Politologe Andranik Migranjan in der Zeitung Iswestija den Historiker Andrei Subow. Dieser hatte die russische Militärintervention auf der Krim mit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich verglichen. Wenig später verlor er seinen Lehrstuhl im Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen. Migranjan warf ihm "ungeheuerliche Geschichtsfälschungen" vor. Gleichzeitig aber brach er eine Lanze für den Vorkriegs-Hitler. Bis 1939 habe sich Hitler wie vor ihm Bismarck mit der "Sammlung deutscher Erde" beschäftigt. Liberale Kommentaren warfen daraufhin Migranjan vor, er ignoriere die Rassengesetze und andere Verbrechen Hitlers vor 1939.

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