Umstrittene Auktion bringt NS-Devotionalien unter den Hammer

PATRICK GUYTON 15.06.2016
Ein Auktionshaus will NS-Devotionalien versteigern. Kritiker sehen darin weniger wissenschaftlichen Nutzen, als die Befriedigung von Sensationsgier.

München steht vor einer gruselig anmutenden Versteigerung: Am Samstag sollen persönliche Gegenstände von NS-Größen wie Adolf Hitler und Hermann Göring in großem Stil und für zum Teil horrende Summen unter den Hammer kommen. Dazu zählt etwa eine Uniformjacke, die angeblich von Hitler stammt, der Startpreis liegt bei 30 000 Euro. Weiter ist unter den 169 Versteigerungstiteln, die aus der Sammlung des 2007 verstorbenen US-Mediziners John K. Lattimer stammen, eine Messinghülse, in der Hermann Göring die Zyankali-Kapsel versteckt haben soll, mit der er sich umgebracht hatte. Auch wird, so der Katalog des Auktionshauses Hermann Historica, eine „kräftige Unterhose“ von Göring versteigert – Bundweite 114 Zentimeter, 500 Euro –, sowie verschiedene Teile der Stricke, mit denen NS-Größen wie Joachim von Ribbentrop, Julius Streicher oder Wilhelm Frick nach den Nürnberg-Urteilen gehängt worden waren (je 500 Euro).

Mittlerweile regt sich Kritik an der Versteigerung. Charlotte Knobloch hält den Vorgang für „geschmacklos“. Es bestehe die Gefahr, so die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, „dass die Gegenstände zu Trophäen für Neonazis und andere Antisemiten werden“. Knobloch fordert eine rechtliche Prüfung, inwieweit die Auktion verboten werden kann. Die Grünen-Landtagspolitikerin Katharina Schulze warnt im Gespräch mit dieser Zeitung: „So etwas zieht die rechte Szene an.“ Die Gegenstände dienten „der Verherrlichung der NS-Zeit und des Personenkultes“. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) appelliert an Hermann Historica, „die Auktion abzusagen und sich der Verantwortung, die eine Versteigerung derartiger Devotionalien mit sich bringt, bewusst zu werden“. Auch das bayerische Wissenschaftsministerium sieht das Geschehen äußerst kritisch. „Das befriedigt eher die Sensationsgier, als dass es einem wissenschaftlichen Interesse dient“, sagt Sprecher  Ludwig Spaenle.  

Auf ein solches Interesse beruft sich aber das Aukionshaus. „Hermann Historica lehnt alle neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen strikt ab“. Potentielle Käufer müssen versichern, dass sie Gegenstände nur zu Zwecken der Wissenschaft, Forschung oder Lehre ersteigern. Den Handel mit NS-Devotionalien aus anderen Gründen verbietet das Strafgesetzbuch.

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