Zürich TV-Verträge belasten Fifa-Boss Infantino

Zürich / SID/DPA 07.04.2016
Durch die "Panama Papers" gerät auch Gianni Infantino in Bedrängnis. Dubiose TV-Verträge belasten den neuen Fifa-Präsidenten.

Am Freitag hätte Gianni Infantino die Briefkästen in Panama inspizieren können. Doch der neue Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa beendete seine Südamerika-Reise im Nachbarland Kolumbien. Hätte Infantino mal besser nach dem Rechten gesehen, denn nur 40 Tage nach seiner Wahl bringen die "Panama Papers" den selbsternannten Chefreformer in Erklärungsnot - aber was wäre ein Fifa-Boss ohne den Vorwurf dubioser Machenschaften.

Der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung kommt nach seiner Auswertung der Papiere zu dem Schluss, dass Infantino in seiner Zeit bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt war. Dabei geht es um Fernsehrechte, die der Schweizer unter Wert verkauft haben soll.

Der 46-Jährige wies die Vorwürfe umgehend zurück: "Ich bin bestürzt und werde nicht akzeptieren, dass meine Integrität von bestimmten Bereichen der Medien angezweifelt wird - zumal die Uefa bereits ausführlich alle Fakten in Bezug auf diese Verträge angegeben hat." Im Detail geht es um einen Vertrag mit der Briefkastenfirma "Cross Trading", den Infantino als Direktor der Uefa-Rechtsabteilung unterschrieben haben soll. Die Eigentümer dieser Firma sind die argentinischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis - zwei Angeklagte im Fifa-Skandal. Am Mittwoch trat Juan Pedro Damiani aus der Fifa-Ethikkommission zurück. Der Anwalt aus Uruguay soll drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben.

Vater und Sohn Jinkis erwarben durch den Vertrag die Rechte an der Champions League für die Jahre 2006 bis 2009. Dann verkauften sie sie mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiter. Aus den Unterlagen geht offenbar hervor, dass "Cross Trading" das Recht der Ausstrahlung in Ecuador erworben hat. Schon zuvor hatte die Firma offensichtlich die gleichen Rechte an den TV-Sender Teleamazonas weiterverkauft. Die Frage ist, wie "Cross Trading" schon vor Vertragsabschluss sicher sein konnte, den Zuschlag der Uefa zu erhalten. Infantino bestreitet, persönlich in die Verhandlungen involviert gewesen zu sein. Die Uefa betonte, es habe aus ihrer Sicht keine verwerflichen Verträge gegeben. Die Uefa-Zentrale in Nyon wurde durchsucht.

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