Tolu Türkei verwehrt Diplomaten Kontakt zu Journalistin Tolu

Mesale Tolu aus Ulm sitzt derzeit in einem Gefängnis in der Türkei.
Mesale Tolu aus Ulm sitzt derzeit in einem Gefängnis in der Türkei. © Foto: Facebook
Neu-Ulm / epd/dpa 15.05.2017
Weiterhin haben die Behörden keinen Kontakt zu der in der Türkei inhaftierten Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu. Auch ihr Ehemann ist in der Türkei in Haft.

Deutsche Behörden haben weiter keinen direkten Kontakt zu der seit zwei Wochen in der Türkei inhaftierten deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu. Es gebe keinen direkten Zugang, sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer in Berlin. Die Bundesregierung dringe „mit allergrößtem Nachdruck“ auf die Ermöglichung konsularischer Betreuung, wie sie das Völkerrecht für Staatsbürger im Ausland vorsieht. Schon am Wochenende hatte die Bundesregierung ihre Sorge in dem Fall der Neu-Ulmer Journalistin ausgedrückt.

Die Anwältin von Mesale Tolu hat unterdessen den türkischen Behörden gesetzeswidriges Verhalten vorgeworfen. „Man hat den deutschen Staat nicht benachrichtigt, obwohl das im Gesetz so vorgeschrieben ist“, sagte Kader Tonc der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Am 30. April war die 33-jährige Journalistin in ihrer Wohnung in Istanbul festgenommen worden. Die Behörden hätten die Ermittlungsakten zurückgehalten, sagte Tonc.

Schließlich sei am 5. Mai Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in der Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) erlassen worden. Die Partei gilt in der Türkei als Terrororganisation. Seitdem sei Tolu im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy inhaftiert. Als Indizien habe die Staatsanwaltschaft Fotos vorgelegt, die Tolu auf einer Gedenkveranstaltung für eine 2015 in Syrien getötete deutsche Kämpferin der kurdischen Miliz YPG zeigen sollen.

Mesale Tolu ist in Ulm geboren worden und wohnt in Neu-Ulm. Ihre Familie, die zum Teil ebenfalls in Neu-Ulm wohnt, hat seit mehr als zwei Wochen keinen Kontakt mehr zu der Übersetzerin.Als der Fall bekannt wurde, hatten sich Familie und Freunde Neu-Ulmer Journalistin in der Ulmer Innenstadt getroffen, um für ihre Freilassung zu demonstrieren.

Wie ihre Anwältin sagte, reise Tolu normalerweise nur ab und zu in die Türkei, um als Journalistin und Übersetzerin zu arbeiten. Jedoch sei sie dieses Mal rund drei Monate in der Türkei geblieben, weil ihr Mann ebenfalls verhaftet worden war. Auch ihm wurde vorgeworfen, Mitglied der MLKP zu sein.

Mesale Tolus Ehemann ist nach Angaben von Tocu im Gefängnis Silivri nördlich von Istanbul inhaftiert.

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