Hintergrund TSG soll der SPD neuen Mut machen

Am Samstag beginnt der Wahlkampf: Thorsten Schäfer-Gümbel.
Am Samstag beginnt der Wahlkampf: Thorsten Schäfer-Gümbel. © Foto: Andreas Arnold/dpa
Berlin / Mathias Puddig 12.09.2018

Wie viel Hoffnung die Sozialdemokraten in Thorsten Schäfer-Gümbel – kurz: TSG – legen, zeigt sich an diesem Samstag in Offenbach. Der hessische Landeschef wird dort die heiße Phase seines Wahlkampfes eröffnen, und er bekommt dafür alle Unterstützung, die ihm seine Partei nur geben kann. Nicht nur Parteichefin Andrea Nahles kommt, auch die Ministerpräsidentinnen von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern stellen sich zu ihm auf die Bühne. Und beliebter als Malu Dreyer und Manuela Schwesig ist in der SPD niemand. Er kann das gut gebrauchen: Der 48-Jährige gilt als freundlich, optimistisch, loyal und detailverliebt. Nur die Menschen mitreißen, das kann er nicht.

Der Druck ist groß. Schon zum dritten Mal ist TSG Spitzenkandidat der Landes-SPD. Er braucht einen Erfolg, denn wie es nach einer Niederlage mit ihm weiterginge, ist unklar. Es gibt führende Genossen, die sehen jetzt schon eine tragische Figur in ihm. Sollte er allerdings gewinnen, wäre das für die geschundene SPD mehr als nur ein Lichtblick.

Fünf Punkte hinter der CDU

Dass ausgerechnet Thorsten Schäfer-Gümbel zu einem Hoffnungsträger der SPD wird, war nicht zu erwarten. Der Sohn eines Lkw-Fahrers sollte eigentlich nicht einmal Abitur machen. „Mein Lehrer hat sich dafür eingesetzt, dass ich studieren durfte“, schreibt er in seinem „Hessenplan +“. Zu dieser Zeit, als Jugendlicher, war er bereits Mitglied der SPD. In die erste Reihe rückte er erst auf, als seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti sich 2008 verspekulierte.

Ypsilanti hatte im Wahlkampf versprochen, nicht mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten, und es später doch versucht. Das trug nicht einmal ihre eigene Partei mit. Die Regierungsbildung platzte, und Schäfer-Gümbel musste die Hessen-SPD nur zwei Monate später in den nächsten Wahlkampf führen – und kassierte eine der derbsten Niederlagen.

Zehn Jahre später ist TSG besser vorbereitet. Weit mehr als ein Jahr Zeit hat er sich mit seinem Team dafür genommen. Die SPD braucht diesen Sieg wie Schäfer-Gümbel ihn braucht. Sechs Wochen vor der Wahl liegt sie noch fünf Prozentpunkte hinter der CDU.

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