Noch einmal Miloš Zeman auf der Prager Burg. Einer kleinen Mehrheit nur verdankt das politische Urgestein seine zweite Amtszeit als tschechischer Präsident. Aber Mehrheit ist Mehrheit. Was bedeutet der mit Sicherheit letzte Sieg, den der 73-jährige, nicht gerade fitte Politprofi eingefahren hat?

 Außenpolitisch gar nichts. Darüber, auch über die Haltung Tschechiens in der heiklen Migrationsfrage, entscheidet in Prag die Regierung, nicht der Präsident. Zeman ist im Westen nie ernst genommen worden. Er meidet ihn  auch, war in fünf Jahren nur einmal im wirtschaftlich wichtigsten Nachbarstaat Deutschland. Aber er hat gewissen Einfluss, etwa im Kreis der Staatschefs der Visegrád-Gruppe mit Polen, Ungarn und der Slowakei. Diese Länder wären auch mit Zemans Herausforderer Jirí Drahoš nicht von ihrem Nein zu Verteilungsquoten für Flüchtlinge abgegangen.

 Andere Bedeutung hat Zemans erneute Wahl für Tschechien selbst. Der Präsident an sich genießt dort eine große Autorität. Er bestimmt maßgeblich die Stimmung. Zeman hat das Land in fünf Jahren mental nach Osten geführt und die Ablehnung der – nicht immer nur gefühlten – Bevormundung aus dem Westen in großen Teilen der Gesellschaft vertieft. Jetzt wirbt er ernsthaft für eine Volksabstimmung über den Verbleib in der EU oder für den Czexit.

 Der Dichter Jaroslav Rudiš hält die Vorstellung für lächerlich, dass Tschechien um seine Grenzen „eine Mauer aus böhmischen Biergläsern“ aufrichtet. Wenn er sich da mal nicht irrt. Abgesehen davon, dass Zeman den Bierseideln sicher Gläser für seinen täglich konsumierten Sliwowitz vorziehen würde.