Kommentar Trumps Nerven liegen blank

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Peter de Thier 08.01.2018

Ein „sehr stabiles Genie“, wie sich US-Präsident Donald Trump als Reaktion auf ein neues Buch über Abläufe im Weißen Haus bezeichnet, ist er auf keinen Fall. Gezeigt hat der 45. US-Präsident mit seiner jüngsten Twitter-Tirade aber, dass er über ein ausgesprochen schwaches Nervenkostüm verfügt. Auch hat er weitere Beweise geliefert für seine Impulsivität und eine Rachsucht, die während des ersten Jahres im Amt zu einer Serie von Entlassungen geführt haben. Sicherheitsberater Michael Flynn, zwei Pressesprecher  und schließlich Trumps Chefstratege Stephen Bannon wurden gnadenlos vor die Tür gesetzt. Zudem hat der Präsident Justizminister Jeff Sessions zum Rücktritt gedrängt, weil dieser sich aus den Russland-Ermittlungen zurückzog und deswegen Sonderstaatsanwalt Robert Mueller nicht feuern kann. 

Besonders faszinierend und aussagekräftig ist die tiefe Kluft aber, welche das Buch „Feuer und Wut“ zwischen dem Präsidenten und Bannon aufgerissen hat. Mit seinem Einfluss auf rechtsgerichtete Wählerkreise hatte dieser immerhin maßgeblichen Einfluss auf Trumps Wahlsieg gehabt und galt lange Zeit als wichtigster Strippenzieher hinter den Kulissen des Weißen Hauses. Nun geißelt Trump seinen loyalen Weggefährten als Lügner, weil dieser Vorwürfe des Staatsverrats sowie der Geldwäsche in den Raum stellte. Die Überzeugung vieler Demokraten, dass der Präsident etwas zu verbergen haben könnte und seine Nerven deswegen blank liegen, ist daher nachvollziehbar. Hätte er ein reines Gewissen, dann würde er Mueller die Ermittlungen beenden lassen und nicht versuchen, dem früheren FBI-Chef immer wieder ins Handwerk zu pfuschen.