Die Massendemonstrationen gegen US-Präsident Donald Trump am ersten Jahrestag seiner Vereidigung waren alles andere als überraschend. Dass aber ausgerechnet am selben Tag obendrein die Regierung und der staatliche Verwaltungsapparat zum Stillstand kommen, ist an Ironie kaum zu übertreffen. Auch den „Shutdown“ muss der Präsident auf seine Kappe nehmen. Schließlich war er es, der ein Programm seines Vorgängers Barack Obama zum Schutz der „Dreamer“ – illegale Einwanderer, die als Kinder ins Land gebracht wurden – gekippt hat.

Ohne die Fortsetzung dieses Programms weigern sich die Demokraten, einer weiteren Übergangsregelung zur Finanzierung des Regierungsapparats zuzustimmen, die ohnehin nur Flickwerk wäre. Der Präsident hingegen will die Dreamers nur dann vor der Abschiebung bewahren, wenn er als Gegenleistung Geld für den Mauerbau entlang der mexikanischen Grenze bekommt.

Nach einem Jahr im Amt hätte Trump lernen müssen, dass Politik anders funktioniert als das Immobiliengeschäft. Er ist bis heute überzeugt, dass Einschüchterung, Diskreditierung und Beharren auf „Deals“, aus denen er als „Sieger“ hervorgeht, mehr bringen als Vernunft und Kompromissbereitschaft.

Das politische Geschäft in Washington lief auch vor ihm keineswegs wie geschmiert, im Gegenteil. Doch Trump hat mit seinem chaotischen Regierungsstil, dem ständigen Lavieren und Wechseln von Positionen, weil er die politischen Inhalte nicht versteht, das Chaos auf einen neuen Höhepunkt getrieben. Anzunehmen ist leider, dass die Dinge weiter aus dem Ruder laufen, ehe Ruhe einkehrt.

Ein Kommentar von Peter De Thier.