Leitartikel Guido Bohsem zu Trumps Angriff auf die Notenbank Trumps Angriff auf die Fed: Ahnungslos und unfähig

NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos
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Berlin / Guido Bohsem 22.08.2018

Alexander Hamilton gilt als Gründer der amerikanischen Notenbank. Der erste US-Finanzminister ging dabei in der typischen Mischung vor, die ihn als einen der zentralen Figuren der jungen Nation ausgezeichnet hat. Sehr pragmatisch veranlagt, nahm er die damalige Bank of England zum Vorbild. Mit einer gesunden Portion Weisheit aber ergänzte er ihre Funktion, indem er sie unabhängig von der Regierung arbeiten ließ. Ein Treffer! Und doch, kaum ein Zweig des neuen Regierungsapparates war so umstritten wie die Zentralbank. Es war vor allem auch der Konflikt um die Notenbank, der die Föderalisten und die Anti-Föderalisten hat entstehen lassen –  die Vorläufer der heutigen Republikaner und Demokraten.

Donald Trump ist also nicht der erste Präsident, dem die Federal Reserve oder ihre Politik gegen den Strich geht. Einer ihrer vehementesten Kritiker war kein geringerer als der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson. Doch setzt Trump auch in der Art und Weise wie er gegen die Zentralbank agitiert neue Maßstäbe in Sachen Bodenlosigkeit. Darin ist und bleibt der Nachfolger Jeffersons, Lincolns und Roosevelts ohne Beispiel.

Weil er fürchtet, dass die von den Notenbankern angehobenen Zinsen die von ihm immer wieder gepriesene Stimmung auf dem Aktienmarkt versauen, pöbelt er gegen den von ihm selbst ernannten Fed-Präsidenten Jerome Powell. Dieser sei ihm als Vertreter niedriger Zinsen empfohlen worden, empört sich der mächtigste Politiker der Welt, und man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll: über seine Ahnungslosigkeit oder sein politisches Unvermögen.

Wissen sollte Trump, dass die Fed eben nicht danach strebt, sich bei der jeweiligen Regierung besonders beliebt zu machen – sondern vielmehr im eigenen Ermessen darüber entscheidet, welcher Leitzins am besten geeignet ist, um die Währung stabil zu halten und gleichzeitig für eine auskömmliche Wirtschaftsleistung zu sorgen. Wahrscheinlich ist, dass die Fed nun erst recht das Gegenteil von dem macht, was Trump will – alleine schon deshalb, um den internationalen Finanzmärkten zu beweisen, dass sie nicht nach der Pfeife des Präsidenten tanzt.

Was es heißt, wenn die Märkte nicht mehr an die Eigenständigkeit einer Zentralbank glauben, könnte Trump sich natürlich auch jetzt schon anschauen, am Beispiel des Nato- Partners Türkei. Die rasante Entwertung der Lira hat nämlich ihre Ursache darin, dass Staatschef Recep Tayyip Erdogan die türkische Notenbank auf seinen Kurs gezwungen und verhindert hat, das Richtige zu tun: nämlich die Zinsen schon längstens deutlich anzuheben, auch auf Kosten der Wirtschaftsleistung. Doch wog der Wahlerfolg Erdogans schwerer als die Stabilität der Währung. Kein Wunder, dass die Investoren die türkische Währung nun meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Auch die neuen starken Männer und Potentaten dieser Welt lernen, dass es Grenzen ihrer Macht gibt – oder Konsequenzen, wenn sie sie überschreiten.

leitartikel@swp.de

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