US-Wahl Trump und Sanders gewinnen Vorwahlen in New Hampshire

Donald Trump winkt bei der Vorwahl in New Hampshire seinen Unterstützern zu.
Donald Trump winkt bei der Vorwahl in New Hampshire seinen Unterstützern zu. © Foto: AFP
Manchester / JENNIE MATTHEW, AFP 10.02.2016
Der Unmut in den USA über das Establishment in Washington hat sich bei der zweiten Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire Bahn gebrochen: Bei den Republikanern siegte der rechtspopulistische Geschäftsmann Donald Trump, bei den Demokraten der linke Senator Bernie Sanders. Beide Präsidentschaftsbewerber geben sich als Außenseiter, die es mit den politischen und wirtschaftlichen Eliten aufnehmen wollen.
Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Dienstagabend (Ortszeit) verkündeten die US-Fernsehsender die Erfolge von Trump und Sanders in dem nordöstlichen Bundesstaat. Nach Auszählung von 77 Prozent der Stimmbezirke kam der Senator bei der Vorwahl der Demokraten auf 59,5 Prozent. Die frühere Außenministerin Hillary Clinton, die den Vorwahlauftakt vor einer Woche in Iowa noch hauchdünn für sich entschieden hatte, lag bei 38,8 Prozent.

„Es ist einfach zu spät für die gleiche alte Establishment-Politik und Establishment-Wirtschaft“, sagte Sanders in seiner Siegesrede. „Die Leute wollen echte Veränderungen.“

Der 74-jährige selbsterklärte „demokratische Sozialist“ kommt mit seiner Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung vor allem bei jungen Wählern gut an. Angesichts des Einflusses reicher Wahlkampfspender in den USA will Sanders eine „politische Revolution“ erreichen, um die Demokratie wieder in die Hände der Bevölkerung zu legen, wie er sagt.

Clinton räumte ihre Niederlage ein und sieht ihren Favoritenstatus zunehmend bröckeln. „Ich weiß, ich habe einiges zu tun, vor allem bei jungen Menschen“, sagte die ehemalige First Lady und gab sich kämpferisch: „Jetzt werden wir diese Kampagne in das ganze Land tragen. Wir werden um jede Stimme in jedem Bundesstaat kämpfen.“

Bei den Republikanern holte Trump den Teilergebnissen zufolge gut 34 Prozent. Der Milliardär zeigte in New Hampshire anders als in Iowa, dass er seinen Vorsprung in Umfragen auch in einen Wahlsieg umwandeln kann. „Wow, so schön“, sagte er vor Anhänger. „Wir werden Amerika wieder so großartig machen, vielleicht großartiger als je zuvor.“ Nun werde er auch die nächste Vorwahl in South Carolina gewinnen.

Überraschend stark schnitt Ohios Gouverneur John Kasich ab, der mit 16,4 Prozent den zweiten Platz erreichte. Kasich präsentiert sich als gemäßigter Konservativer, der den Haushalt sanieren und die Gräben zwischen den politischen Lagern in Washington  zuschütten möchte. „Heute Nacht hat das Licht die Dunkelheit des negativen Wahlkampfes erhellt“, sagte er.

Um den dritten Platz rangen der erzkonservative Senator Ted Cruz mit 11,5 Prozent und Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush mit 11,2 Prozent. Cruz hatte vor einer Woche die erste Vorwahl gewonnen. Die Wählerschaft in New Hampshire gilt allerdings als weniger konservativ als in Iowa. Vor allem die evangelikalen Christen, unter denen Cruz viele Unterstützer hat, spielen hier eine geringere Rolle.

Der Senator Marco Rubio lag den Teilergebnissen zufolge bei rund zehn Prozent und musste damit einen Rückschlag hinnehmen. „Es ist meine Schuld“, sagte Rubio mit Blick auf seine schwache Leistung bei der Fernsehdebatte am Wochenende. In Iowa hatte er mit gut 23 Prozent noch den dritten Platz belegt.

New Jerseys Gouverneur Chris Christie holte in New Hampshire knapp acht Prozent, die Ex-Managerin Carly Fiorina gut vier Prozent und der frühere Neurochirurg Ben Carson etwa zwei Prozent. Christie erklärte, dass er in seinen Heimatstaat zurückkehren werde, um über eine Fortsetzung seines Wahlkampfes zu entscheiden.

Beide Parteien befinden in allen 50 Bundesstaaten über ihre Kandidaten, die im Juli offiziell gekürt werden. Die Präsidentschaftswahl findet am 8. November statt. Präsident Barack Obama von den Demokraten darf nach zwei Amtsperioden nicht erneut antreten.

Eine völlig neue Dynamik könnte das Rennen annehmen, wenn der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg seine Gedankenspiele über eine unabhängige Kandidatur in die Realität umsetzen sollte. In der „Financial Times“ beschwerte sich der Milliardär kürzlich über das „beunruhigend banale“ Niveau des Wahlkampfes.