Kommentar Günther Marx zum geplanten Treffen von Trump und Putin Trump und Putin treffen sich an einem historischen Ort

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Günther Marx 29.06.2018

Der Name der finnischen Hauptstadt Helsinki hat in den Ost-West-Beziehungen einen besonderen Klang, wurde hier doch 1975 die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichnet. Dieses Dokument hat zum einen den Entspannungsprozess wesentlich befördert, zum anderen aber – quasi als List der Geschichte  – eine politische Entwicklung in Gang gesetzt, die letztlich in den Zusammenbruch der sozialistischen Herrschaftssysteme Osteuropas mündete.

Nun wollen sich Donald Trump und Wladimir Putin in Helsinki treffen. Ob sich Trump die Symbolik des Ortes bewusst ist? Und wenn ja: Hat sie irgendeine Bedeutung für ihn? Putin wird man den KSZE-Prozess nicht erklären müssen, ihn aber allenfalls darauf hinweisen – wie auch Trump –, dass die Vereinbarungen von damals auch heute noch als Grundlage gedeihlicher internationaler Beziehungen zu gelten hätten – der Verzicht auf Gewalt, die Unverletzlichkeit der Grenzen, Nichteinmischung oder Menschenrechte. Da haben beide ein beträchtliches Sündenregister und die Liste der aktuellen Krisen, in denen sich Moskau und Washington beharken, ist lang.

Die Differenzen zwischen beiden Seiten sind freilich so groß, die Beziehungen derart belastet und voller Misstrauen, dass mit mehr als der Erklärung guter Absichten fürs Erste kaum zu rechnen ist.  Aber auch das wäre immerhin ein Ansatz. Und wenn der „Geist von Helsinki“ dabei helfen könnte, aus dem Treffen mehr als eine Propaganda-Show zu machen wie zuletzt beim Treffen Trumps mit dem Nordkoreaner Kim Jong Un, umso besser. Doch dazu braucht es im Augenblick viel Phantasie.

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