G7-Gipfel  Trump tweetet die G7-Gemeinsamkeit kaputt

„Und tschüss!“ US-Präsident Donald Trump verlässt den G7-Gipfel vorzeitig.
„Und tschüss!“ US-Präsident Donald Trump verlässt den G7-Gipfel vorzeitig. © Foto: SAUL LOEB
La Malbaie/Berlin / Ellen Hasenkamp 10.06.2018

Ein bisschen müde, ein bisschen abgekämpft, aber insgesamt zufrieden – so war Kanzlerin Angela Merkel nach dem G7-Gipfel in Kanada in den Flieger nach Hause gestiegen. Doch als sie den Airbus Sonntagfrüh um kurz vor sechs in Berlin wieder verließ, war die Welt eine andere. Mit ein paar wutschnaubenden Tweets hatte US-Präsident Donald Trump die mühsam errungenen Gipfelkompromisse für nichtig erklärt. In Frage steht nun nicht nur die Zukunft der G7, sondern auch die der westlichen Gemeinschaft insgesamt.

Zurück bleiben ein paar Fotos von winkenden Politikern vor prachtvoller Naturkulisse, dutzende Seiten ungültiger Beschlüsse von Milliardenprogrammen für Mädchen bis zum Kampf gegen Fake-News – und große Ratlosigkeit. Dass einer der Staats- und Regierungschefs der selbsternannten „Wertegemeinschaft“ G7 im Nachhinein seine Zustimmung zurückzieht, hat es noch nie gegeben in der mehr als 40-jährigen Geschichte des Bündnisses.

Eine andere Negativ-Premiere war zuvor in mühsamer Kleinarbeit verhindert worden. Noch am Morgen des letzten Gipfeltags war nicht klar, ob es überhaupt eine gemeinsame Erklärung geben würde. Bilder aus dem Konferenzraum zeigen, wie Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und auch die britische Regierungschefin Theresa May auf Trump einreden. Der hat die Arme vor der Brust verschränkt. Wort für Wort, Punkt für Punkt sei man mit ihm die Beschlüsse durchgegangen, hieß es in Verhandlungskreisen.

Es ging um den freien Welthandel, das große Streitthema des Treffens: Bereits im Vorfeld hatte es wahre Twitter-Fehden zwischen Gastgeber Kanada und den Europäern auf der einen und den USA auf der anderen Seite wegen der amerikanischen Schutzzölle auf Importe von Aluminium und Stahl gegeben.  

In einem Kraftakt gelang es dann aber doch, ein Bekenntnis zu einem „regelbasierten Handelssystem“, zum „Kampf gegen den Protektionismus“ und zum Abbau von Handelshemmnissen im Abschlusstext unterzubringen. Am frühen Samstagmittag war der Durchbruch erreicht.        

Viel Hoffnung auf eine praktische Besserung im Handelsstreit verband allerdings auch Merkel nicht mit den vereinbarten Sätzen. „Die Tücke liegt im Detail“, warnte sie. Die Diskussionen mit den USA „werden trotz des Bekenntnisses auch weitergehen“.

Aus den Diskussionen könnte nun ein veritabler Handelskrieg werden. Unverhohlen drohte Trump: „Wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.“ Das würde dann insbesondere die Deutschen treffen.

Die waren am Sonntag zunächst beinahe sprachlos. „Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué“, teilte ein Regierungssprecher knapp mit. In Paris wurde man deutlicher: Die internationale Zusammenarbeit können nicht von Wutanfällen und kurzen Worten abhängen, hieß es aus dem Élysée. Genau das ist aber seit Trump der Fall.

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