Großbritannien Trump brüskiert mit Interview Theresa May

Ein warmes Willkommen sieht anders aus: In London gab es eine Massendemo gegen den Besuch des US-Präsidenten.
Ein warmes Willkommen sieht anders aus: In London gab es eine Massendemo gegen den Besuch des US-Präsidenten. © Foto: actionpress © Rob Pinney/London News Pictures via ZUMA Wire
London. / Hendrik Bebber 13.07.2018
Ein Trump-Interview über die Befindlichkeiten auf der Insel sorgt schon vor der Ankunft des Präsidenten für Ärger.

„Die Briten können mich mächtig gern leiden“, verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten vor der Landung im Vereinigten Königreich. Doch hunderttausende Demonstranten auf den Straßen Londons und anderer britischer Städte protestierten gegen den Besuch Donald Trumps. Und über 70 Prozent bekundeten in einer Umfrage, dass sie mit dem Herrn des Weißen Hauses nichts am Hut haben.

Bei der Pressekonferenz mit Premierministerin Theresa May glich der breit lachende Präsident nicht dem nörgelnden Riesenbaby, das als riesiger Ballon in London zu seiner Begrüßung aufgelassen wurde. Das unglaubliche Interview, das er vor seiner Ankunft dem britischen Massenblatt „Sun“ gab, bezeichnete er wie so oft bei ähnlich unangenehmen Nachrichten als „fake news“. Doch in der Tonaufzeichnung des Gesprächs ließ  Trump eine Bombe nach der anderen unter seiner Gastgeberin hochgehen. Er erzählte, dass er sie vergeblich vor der Aufweichung des Brexit gewarnt hätte, aber sie nicht auf ihn hören wollte. Es grenzte schon an eine Aufforderung zum „Regimewechsel“, als er Mays  Widersacher, den zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson in den höchsten Tönen lobte und ihn als „ausgezeichneten Premierminister“ empfahl.

Eine an Schizophrenie grenzende Kehrtwendung

Wohl beeindruckt von dem Pomp und Bombast, den Theresa May als Ersatz für den immer wieder aufgeschobenen offiziellen Staatsbesuch beim Festmahl in Schloss Blenheim entfaltete, machte Trump eine an Schizophrenie grenzende Kehrtwendung. Die Drohung, ein spezielles Freihandelsabkommen mit Großbritannien wegen Mays Kompromissofferte an Brüssel platzen zu lassen wurde zurückgenommen, und Trump pries die Premierministerin als eine „starke, fantastische Politikerin“ zu der er ein unheimlich starkes Verhältnis hätte. Fast im gleichen Atemzug sagte er das gleiche von Angela Merkel.

Obwohl ein offizieller Staatsbesuch wohl wegen einer Massenpetition mit fast zwei Millionen Unterschriften Donald Trump bislang versagt blieb, so kamen  er und seine Frau Melania doch zu einer Minivorführung der „Buckhouse-Show“, wie der Pomp und Bombast der königlichen Rituale in den USA genannt wird. Ein hoher Hofbeamter meinte zwar hinter vorgehaltener Hand, dass der Besuch „die Königin in ziemliche Verlegenheit bringt“.  Doch die Queen ließ sich nichts anmerken, als sie das Paar im Windsor Schloss empfing. Während sie zu den Obamas ein ausgesprochen herzliches Verhältnis hatte, liegt Trump nicht gerade auf ihrer Wellenlänge. Nichts „amüsiert“ die Monarchin weniger als grobes Benehmen, Prahlerei und Schlüpfrigkeiten, die den Präsidenten auszeichnen.

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