Tübingen / RAIMUND WEIBLE  Uhr
Kontrollen ergaben: Viele Lebensmittelverkäufer wiegen das Verpackungspapier mit. Die Beanstandungsquote liegt bei 33 Prozent.

Eigentlich ist die Sache klar: Verkäufer sind verpflichtet, beim Abwiegen von Wurst, Fleisch und Käse das Papier, auf dem die Ware liegt, nicht mitzuwiegen. Gewichtswerte, so heißt es offiziell in der Eichordnung, dürfen nur als Nettowerte angeben werden. Mitarbeiter im Food-Bereich müssen deshalb entweder die "Tara"-Taste drücken oder das Gewicht des Papiers durch eine entsprechende Voreinstellung der Waage automatisch abziehen. Auch der Plastikbecher, in den der Wurstsalat, das Hackfleisch oder der Sahnehering gefüllt wird, darf nicht mitgewogen werden.

Dass diese Vorgabe in der Praxis sehr häufig nicht angewendet wird, hat jetzt die Abteilung Mess- und Eichwesen des Regierungspräsidiums Tübingen festgestellt. Die Kontrolleure nahmen 430 Stichproben, in jedem dritten Fall (33,6 Prozent) gab es Grund zur Beanstandung - obwohl die Überprüfungen angekündigt waren. Damit lag die Quote deutlich über der des Jahres 2011 (30,4 Prozent).

Die Prüfer schauten sowohl in kleinen Betrieben als auch in Supermärkten den Verkäufern an der Theke auf die Finger. Dabei stellten sie fest, dass es in den kleineren handwerklichen Unternehmen wie Metzgereien oder Feinkostläden deutlich öfter Grund zur Reklamation gab: Hier verstieß im Schnitt fast jeder zweite Mitarbeiter (43 Prozent) gegen die Wiegevorschrift. In den Supermärkten waren es 24 Prozent. Ähnliche Erfahrungen machten die Eichbehörden in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Das einzelne Blatt Papier wiegt beim Verkauf von Wurstaufschnitt meist nur etwa zwei Gramm. Doch selbst bei einer kleinen Metzgerei, weiß die Eichbehörde, kann das Mitwiegen der Verpackung einen Mehrverdienst von mehreren hundert Euro im Jahr bedeuten. Bei größeren Schälchen für Erdbeeren oder Salate sei der Schaden für die Verbraucher sogar noch höher: Diese Behälter wiegen bis zu 30 Gramm.

Betriebe, die die Regeln nicht beachten, müssen zahlen: bis zu 35 Euro bei geringfügigen oder erstmaligen Verstößen, in schwereren Fällen droht ein Verwarnungsgeld von bis zu 200 Euro. Im zweiten Halbjahr will die Eichbehörde ihre Kontrolleure noch einmal losschicken.