Rom Tragödie im Mittelmeer

Rom / BETTINA GABBE 04.04.2012
Erneut haben afrikanische Flüchtlinge die Überfahrt nach Italien nicht überlebt. Ausgangspunkt war offenbar Libyen. Flüchtlingsorganisationen warnen, dass Schlepper die Lage in dem Land ausnutzen.

Nachdem es lange Zeit ruhig um Lampedusa geworden war, sorgt die Ankunft neuer Flüchtlinge auf der Insel erneut für traurige Schlagzeilen. Offenbar kamen zehn Insassen ihres Boots unter noch ungeklärten Umständen bei der Überfahrt ums Leben.

Die 48 Überlebenden berichteten nach ihrer Rettung von sechs Somaliern und vier Eritreern, die gemeinsam mit ihnen in der Nacht auf Samstag in einem Hafen an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien starteten. Sie seien wenige Stunden später über Bord gegangen und ertrunken. Die anderen Insassen hatten am Montag per Satellitentelefon Alarm geschlagen, da ihr Boot aufgrund eines Motorschadens sechzig Seemeilen südlich von Lampedusa manövrierunfähig geworden war.

Die italienische Marine und Küstenwache hatten sich daraufhin auf den Weg gemacht und die noch an Bord befindlichen Flüchtlinge zunächst nach Lampedusa gebracht. Da das Flüchtlingslager der Insel aber seit einem Brand geschlossen ist, der während der Unruhen 2011 infolge der Überfüllung ausgebrochen war, wurden sie mit einer Fähre nach Sizilien gefahren.

Bereits am Sonntag waren auf der Nachbarinsel Linosa 42 Flüchtlinge aus Tunesien an Land gegangen. Vor zwei Wochen hatten 300 Afrikaner Lampedusa erreicht. Fünf tote Flüchtlinge wurden an Bord eines Schlauchboots entdeckt.

"Wir sind äußerst besorgt über die Lage in Libyen", sagte der Leiter des italienischen Flüchtlingsrates, Christopher Hein, nach der jüngsten Tragödie. Die libysche Übergangsregierung sei nicht in der Lage, das gesamte Territorium zu kontrollieren. Nach dem Ende des bewaffneten Konflikts drohten Schlepperbanden, sich neu zu organisieren und die Überfahrten nach Lampedusa zu erleichtern.

Während Italiens Innenministerin Anna Maria Cancellieri in Tripolis über eine neue Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Flüchtlingsströme verhandelte, forderte der Flüchtlingsrat einen Marschall-Plan für den Wiederaufbau staatlicher Strukturen in Libyen. Die Unsicherheit im Land wirke sich besonders auf Flüchtlinge aus, die aus dem südlichen Afrika über Libyen versuchten, Europa zu erreichen.

Der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hatte Italien jüngst wegen der Zurückweisung von Flüchtlingen auf offenem Meer verurteilt. Möglichen Asylbewerbern muss dem Urteil zufolge die Möglichkeit gewährt werden, Schutz in der EU zu beantragen. Damit Italien und Malta die Last nicht allein aufgebürdet wird, fordern Hilfsorganisationen eine Quotenreglung, nach der die Ankömmlinge in der EU verteilt werden.

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