Kommentar Ulrich Becker zur Debatte um die Flüchtlingspolitik Tote Flüchtlinge: Europas Verantwortung

Ulrich Becker, Autorenfoto
Ulrich Becker, Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Ulrich Becker 23.06.2018

Nichts rechtfertigt die Entgleisungen von Matteo Salvini angesichts der Tragödie, die sich zur Zeit an Italiens Küsten abspielt. Als „Menschenfleisch“ bezeichnete der Chef der fremdenfeindlichen Lega die Flüchtlinge, die versuchen, über das Mittelmeer Europa zu erreichen. 220 Menschen sollen in den letzten Tagen ertrunken sein, und die italienische Regierung blockiert die Seenotretter weiter.

Doch die Empörung des übrigen Europas ist so gerechtfertigt wie wohlfeil. Seit Jahren senden die italienischen Regierungen Hilferufe Richtung Brüssel, und seit Jahren werden sie mehr oder weniger ignoriert. Am Ende passierte das, was sich in Teilen auch in Deutschland Bahn gebrochen hat: Die offensichtliche Hilflosigkeit der etablierten Kräfte im Umgang mit dem Menschenstrom hat radikale Parteien groß werden lassen und den Hass auf die EU geschürt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron macht es sich leicht und watscht die Italiener ab. Doch damit verschärft er das Problem nur. Die EU braucht endlich eine Strategie, an der sich alle beteiligen. Sonst stirbt mit den Flüchtlingen auch das gemeinsame Haus Europa.

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