Fast 40.000 Schafe schlachten die belgischen Muslime im September für ihr Opferfest. Den Tieren wird ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten, damit es ausblutet. Schächten nennt sich diese rituelle Schlachtung, welche für Muslime und Juden die Bedingung dafür ist, dass der Fleischverzehr erlaubt ist.

Nun stellt der flämische Tierschutzminister Ben Weyts von der nationalistischen Partei den Muslimen eine Hürde in den Weg. Ab September dürfen die Tiere in Flandern nur in offiziellen Schlachthöfen geschächtet werden. Bisher kamen die meisten Schafe in temporären Anlagen unters Messer, weil die Schlachthöfe nicht über genügend Kapazität verfügen. Zudem konnten in den Provisorien, die nur für das Opferfest aufgebaut wurden, die Familienväter ihr Schaf selbst schlachten, wenn sie sich eine Erlaubnis besorgten. Ab September dürfen nur noch Profis schlachten.

Die Muslime sind verärgert. Einige vermuten dahinter eine Provokation. "Minister Weyts führt einen populistischen Diskurs", sagt Hajib el Hajjaji, Vizepräsident des Kollektivs gegen die Islamophobie in Belgien. "Er hindert die Muslime in Flandern daran, im Einklang mit ihren Überzeugungen zu leben." Die europäische Gesetzgebung sei seit 2009 in Kraft, seither habe sich stets ein Kompromiss gefunden.

In Weyts Kabinett winkt man ab: Flandern setze nur die europäische Gesetzgebung konsequent durch, sagt Sprecher Jeroen Tiebout. Man habe der muslimischen Gemeinschaft Alternativen vorgeschlagen, doch darauf seien diese nicht eingegangen. "In anderen Ländern wie Indonesien wird Fleisch von betäubt geschlachteten Tieren als Halal akzeptiert, aber in Belgien lehnen die Muslime das ab", sagt Tiebout.

Minister Weyts hat die Kontroverse aber angeheizt: Er wollte das Schächten in Flandern ganz verbieten lassen. Diese Forderung rief auch jüdische Organisationen auf den Plan. "Der Letzte, der uns so ein Verbot auferlegt hatte, war Adolf Hitler", sagte Michael Freilich von "Joods Actueel" der Zeitung "De Standaard". Inzwischen ist Weyts zurückgekrebst: Er befürworte ein Verbot, aber es gebe keine Mehrheit dafür in der Regionalregierung.

In dem Streit spiegelt sich auch das Unbehagen vieler Belgier wider über die Zuwanderung vor allem aus Marokko und der Türkei. Belgier schätzen in Umfragen den Anteil von Muslimen in ihrem Land auf knapp 30 Prozent. In Wirklichkeit sind es knapp sieben Prozent.

In der Schweiz ist Schächten schon seit dem 19. Jahrhundert nach einer Volksabstimmung verboten. In Deutschland führten die Nazis das Verbot 1933 ein; heute gelten Ausnahmen für religiöse Zwecke.