Kurskorrektur Thierse stützt Gabriel in Streit um Erneuerung der SPD

Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse spricht mit dem SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz am Rande des Bundesparteitags. Foto: Bernd Von Jutrczenka/Archiv
Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse spricht mit dem SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz am Rande des Bundesparteitags. Foto: Bernd Von Jutrczenka/Archiv © Foto: Bernd von Jutrczenka
Berlin / DPA 21.12.2017

Anders als führende Sozialdemokraten unterstützt der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse den Ruf von Außenminister Sigmar Gabriel nach einer Kurskorrektur der SPD.

„Sigmar Gabriel hat Recht. Die SPD muss jetzt diskutieren, welche Konsequenzen sie aus der Wahlniederlage vom September zu ziehen gedenkt“, schreibt Thierse in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Donnerstag). „Und er hat Recht damit, dass zu dieser Diskussion auch Fragen nach kultureller Identität und dem legitimen Beheimatungsbedürfnis der Menschen gehören.“

Viele Sozialdemokraten hätten Schwierigkeiten mit Begriffen wie Heimat oder Leitkultur. „Eine notwendige Debatte wird mit dem Hinweis abgewürgt, das Grundgesetz sei die Leitkultur. Doch dieser Satz reicht nicht“, sagte Thierse. Deutschland bestehe nicht nur aus dem Grundgesetz, sondern auch aus alltagskulturellen und geschichtlichen Prägungen. „Diese Prägungen sind wichtig für unser aller Zusammenleben.“

Gabriel hatte in einem Gastbeitrag im „Spiegel“ eine zu starke Distanz der SPD zu ihren klassischen Wählerschichten beklagt und ehrliche Debatten über die Begriffe „Heimat“ und „Leitkultur“ gefordert. Er mahnt seit langem, die Sorgen wegen des Flüchtlingszuzugs ernster zu nehmen, und eckte damit parteiintern immer wieder an. Auch jetzt schlug ihm intern zunächst wieder breite Kritik entgegen.

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