Berlin Terroropfer von Berlin vor den Kopf gestoßen

Berlin / Andre Bochow 20.12.2017

Ein Jahr nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz bitten der Regierende Bürgermeister von Berlin und der Bundesjustizminister Hinterbliebene der Toten um Verzeihung. Die Kanzlerin möchte, dass „Dinge, die nicht so gut gelaufen sind“, besser gemacht werden. Das sind Worte, die viel zu spät kommen. Genauso zu spät, wie Merkels Treffen mit den vom Anschlag direkt Betroffenen.

Diese bekamen im Übrigen vom Berliner Senat eine Einladung zu den Gedenkveranstaltungen, in denen ihnen in übelster Amtsschimmel-­Manier vorgerechnet wurde, welche Reisekosten sie nicht erstattet bekommen. Taxifahrten zum Beispiel sind dem Senat zu teuer. Fahrten mit dem Pkw werden mit 20 Cent pro Kilometer vergütet. Aber nur dann, wenn Bahn oder Flug nicht billiger wären. Alles wurde haarklein im Anhang zur Einladung aufgelistet. Das ist beschämend, aber keineswegs die erste Herzlosigkeit des deutschen Staates gegenüber den Angehörigen und den vor einem Jahr Verletzten.

Das alles ist aber nichts gegen die nun nicht mehr geleugnete Tatsache, dass die deutschen Sicherheitsbehörden den Terrorakt mühelos hätten verhindern können. Der Attentäter Anis Amri wurde observiert und als Gefährder eingestuft. Er war als Krimineller und als radikaler Islamist bekannt. Und trotzdem konnte er seine Mordtat verüben. Dass es nach einem Jahr noch keine lückenlose Aufklärung des behördlichen Versagens gibt, sondern diese Aufklärung erst jetzt versprochen wird, ist ein Skandal, dem weitere folgen werden. Denn die bisherige Bereitschaft von Geheimdiensten und Landeskriminalämtern zu informieren, lässt nur einen Schluss zu: Nichts dazu­gelernt.  

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