Immer mehr Ärzte sind genervt – von „Termin-Schwänzern“. Der Verband der niedergelassenen Haus- und Fachärzte fordert deshalb eine Gebühr von den Patienten, die nicht zum vereinbarten Zeitpunkt in der Praxis erscheinen. „Wir sind sehr für eine Ausfallgebühr“, sagt Dirk Heinrich, der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, des Verbands der niedergelassenen Haus- und Fachärzte Deutschlands. Das Nichteinhalten von Terminen sei vor allem dort ein Problem, wo Patienten für bestimmte Untersuchungen oder Behandlungen, wie eine ambulante Operation oder eine Vorsorgeuntersuchung, einbestellt worden seien.

„Hier entsteht den Praxen ein echter wirtschaftlicher Schaden. Mit dem Signal einer solchen Gebühr setzen wir auf den Lernerfolg bei Patienten“, sagt Dirk Heinrich. Eine einheitliche Höhe allerdings vermag der Verband nicht zu nennen, das hänge von der Art des Termins ab. Auffällig jedenfalls sei, dass Termine, die vom Arzt direkt in der Sprechstunde vergeben werden, auch eingehalten würden. „Bei online und unpersönlich vereinbarten Terminen sinkt die Termintreue jedoch dramatisch.“

Auch Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagt, „dass unentschuldigt nicht wahrgenommene Termine durchaus ein Problem darstellen“. Je nach Region schwanke die Quote zwischen 5 und 20 Prozent. Leider lasse sich nicht verhindern, „dass Patienten gezielt eine Mehrzahl von Terminen ‚bunkern‘“.

Manche sammeln Termine

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen lehnt das strikt ab. Bei den Vereinbarungen über Ärztevergütungen seien Zeiten mit Nichterscheinen bereits berücksichtigt. „Ärzte, die hier Patienten mit einer Strafgebühr zusätzlich zur Kasse bitten, verdienen also doppelt an einem nicht erschienenen Patienten“, erklärt Vize-Vorstandschef Johann-Magnus von Stackelberg. Sanktionen durch Ärzte gegenüber ihren Patienten sind somit nicht gerechtfertigt. „Gerade weil Patienten trotz eines Termins immer wieder eine gefühlte Ewigkeit in Wartezimmern sitzen, sollten sich Ärzte beim Thema Termintreue zuerst an die eigene Nase fassen.“

Für Professorin Claudia Schmidtke, die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, verhalten sich diejenigen, die Termine verfallen lassen, „gegenüber anderen Patienten unfair“. Schließlich seien Termine rar. „Erziehung kann da nicht schaden“, sagte sie dieser Zeitung. Bereits heute verlangen einige Praxen 25 bis 40 Euro als Gebühr für versäumte Termine. Gerichte haben dazu unterschiedlich geurteilt.