Altersversorgung Teilzeit und Berufswahl schmälern die Rente von Frauen in Deutschland

Die Studie im Überblick
Die Studie im Überblick © Foto: swp: grafik
Berlin / Dieter Keller 06.12.2017
Der Rentenunterschied zwischen Frauen und Männern ist in Deutschland im internationalen Vergleich besonders hoch. Dagegen haben sich die Jobchancen verbessert.

Das deutsche System der Altersversorgung findet im jährlichen Vergleich der Industrieländer-Organisation OECD Lob, aber auch viel Kritik: In keinem anderen der 27 verglichenen Staaten ist die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern größer. Im Schnitt bekommen Frauen 46 Prozent weniger Rente als Männer. Das liegt am deutschen System, wonach die Berufsjahre und das Einkommen entscheidend sind. Frauen arbeiten häufig in Teilzeit und in Berufen mit niedriger Bezahlung. Daher dürfte sich dies auch nicht so schnell wesentlich ändern.

Das ist auch der Grund dafür, dass die Altersversorgung von Geringverdienern hierzulande unterdurchschnittlich ausfällt und ihnen Altersarmut droht – keine neue Erkenntnis, weshalb schon lange über eine Aufstockung von Renten für diejenigen diskutiert wird, die trotz langer Beitragszeiten weniger als die Grundsicherung bekommen. Derzeit läuft dies unter dem Stichwort „Solidarrente“.

Lob bekommt Deutschland von der OECD, weil die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer besonders stark zugenommen hat: Bei den 55- bis 59-Jährigen sind hierzulande etwa 80 Prozent erwerbstätig, unter den 60- bis 64-Jährigen 56 Prozent. In beiden Gruppen zusammen gab es seit dem Jahr 2000 einen Zuwachs von 30 Prozentpunkten. Längeres Arbeiten kann die Rentenkassen entlasten. Damit geraten die künftigen Alterseinkünfte im demografischen Wandel weniger unter Druck.

Allerdings könnten zwei Gesetzesänderungen diese positive Entwicklung stoppen, warnt die OECD: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren biete wenig Anreize, länger zu arbeiten. Das war allerdings auch nicht geplant. Zudem konnten nur wenige Jahrgänge schon mit 63 in Rente gehen. Inzwischen wird das Alter stufenweise auf 65 erhöht.

Daneben warnen die OECD-Experten, das Flexi-Rentengesetz könne dazu führen, dass mehr Menschen früher in Rente gehen. Dabei war eigentlich die Absicht der großen Koalition, den Rentenübergang flexibler zu machen: Wer schon mit 63 in Teilrente geht, kann mehr dazu verdienen. Zudem sollte es attraktiver werden, über das normale Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Beim Armutsrisiko im Mittelfeld

Beim Armutsrisiko von Rentnerhaushalten belegt Deutschland mit knapp zehn Prozent einen Mittelplatz. Am niedrigsten ist es in Dänemark und Frankreich mit unter fünf Prozent, am höchsten in Südkorea mit über 45 Prozent und in Lettland mit 25 Prozent. Aber auch Japan, die Schweiz und die USA stehen wesentlich schlechter da.

Kritisch sieht die OECD, dass Selbständige meist nicht Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung sind und sie häufig nicht alleine eine private Altersversorgung aufbauen können. Auch über Lösungen hierfür wird schon länger diskutiert, und eine neue Bundesregierung dürfte dieses Problem aufgreifen. Schließlich warnt die OECD, aufgrund der raschen Alterung der Bevölkerung drohten die Ausgaben für die gesetzliche Rente in Deutschland ohne Eingriffe von derzeit zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2050 auf 12,5 Prozent zu steigen.

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