Ist der Klimawandel in Baden-Württemberg angekommen?

HANS SCHIPPER: Ja. Anhand der Daten aus den vergangenen hundert Jahren wird klar, dass der Klimawandel hier sogar verstärkt stattfindet. Global spricht man von einer Erwärmung von rund 0,7 Grad Celsius, in Baden-Württemberg ist es 1 Grad. Die stärkste Erwärmung gab es in den letzten 10 bis 20 Jahren. Baden-Württemberg ist in Deutschland die Region, in der die Temperatur am stärksten zunimmt.

Warum?

SCHIPPER: Weil es hier schon relativ warm ist und es so zu einer verstärkten Erwärmung kommt. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird es zwischen 1,5 und 6 Grad Celsius wärmer, je nach Annahme für die Zukunft.

Wie zeigt sich die Veränderung am deutlichsten?

SCHIPPER: In der Erwärmung. In der Folge davon ändern sich auch die Niederschlagsmengen. Grob gesagt werden die Sommer etwas trockener, die Winter etwas feuchter.

Gibt es stark betroffene Regionen?

SCHIPPER: Wenn es im Winter wärmer wird, weniger schneit und mehr regnet, dann merken die Menschen das im Schwarzwald daran, dass es mehr Hochwasser gibt. Vor allem an den kleinen, schnell anschwellenden Flüssen.

Mit welchen Folgen ist noch zu rechnen?

SCHIPPER: Die Energieversorgung kann gefährdet sein. Wenn sich das Wasser im Rhein stark aufwärmt, ist es für Kernkraftwerke am Ufer als Kühlwasser nicht mehr kalt genug. Das war schon im heißen Sommer 2003 so. Und wenn im Sommer weniger Niederschlag fällt, sinkt der Rheinpegel, die Schifffahrt muss eingestellt werden. Die Kohlekraftwerke am Ufer bekommen dann keine Kohle mehr geliefert.

Gibt es mehr extremes Wetter?

SCHIPPER: Die genaue Verbindung zwischen Extremwetter und Klimawandel ist schwierig nachzuweisen, weil Extremwetter nur sehr selten auftritt. Aus der Physik weiß man, dass warme Luft mehr Wasser enthalten kann. Es könnte also zu heftigeren Niederschlägen kommen. Das gilt auch für Stürme, durch die erhöhte Temperatur ist mehr Energie in der Luft. Es gibt Modellrechnungen, die das berechnen.

Wie sicher sind solche Modelle?

SCHIPPER: Wir wissen nicht, wie es wird, wir können es nur abschätzen. Man arbeitet in der Klimaforschung nie mit nur einer Zukunft, verschiedene Szenarien werden durchgerechnet. Mit mehr oder weniger CO2-Ausstoß, mit verschiedenen Zahlen zu Bevölkerung, Landnutzung und Industrieentwicklung.

Was kann die Landwirtschaft tun?

SCHIPPER: Die Landwirte können versuchen, wärmeliebende Pflanzen anzubauen. Mais kommt mit höheren Temperaturen viel besser klar als Winterweizen. Die Bodenerosion wird ein großes Thema. Durch längere Trockenperioden im Sommer wird der Boden trocken, ein starker Regen schwemmt ihn dann leicht davon. In der Forstwirtschaft ist es noch schwieriger, dort muss 40 Jahre vorausgeplant werden. Die Fichte hat große Probleme, die Buche wird noch länger stehen.

Info: Klimawandelszenarien für alle Regionen Deutschlands veröffentlicht das Netzwerk der regionalen Klimabüros in der Helmholtz-Gesellschaft unter www.regionaler-klimaatlas.de