Prag Sudetendeutsche machen sich Konkurrenz

Zum Sudetendeutschen Tag kommt die Landsmannschaft zu Pfingsten in Augsburg zusammen. Gibt es bald ein Treffen des Konkurrenzvereins in Prag?
Zum Sudetendeutschen Tag kommt die Landsmannschaft zu Pfingsten in Augsburg zusammen. Gibt es bald ein Treffen des Konkurrenzvereins in Prag? © Foto: dpa
Prag / HANS-JÖRG SCHMIDT 11.04.2015
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in München ist mehr als verärgert. In Prag hat sich nicht nur ein gleichnamiger Verein gegründet. Er macht mit harten Forderungen dem deutschen Verband Konkurrenz.

"Historisch"" soll es sein, was sich an diesem April-Nachmittag im Hinterzimmer - "Salon" genannt - einer Kneipe im Prager Szeneviertel Zizkov abspielt. Der kleine Raum ist recht spärlich besetzt, an den runden Tischen haben sich etwa 15 Leute niedergelassen. Einer der Chefs der Veranstaltung müht sich, kurz vor Beginn ein rundes Schild mit den Initialen des Vereins auf einem Steinrelief, das zur Kneipe gehört, zum Stehen zu bringen. Das Logo ähnelt dem der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Kein Wunder: Im Kneipenhinterzimmer trifft sich die "Sudetendeutsche Landsmannschaft in Böhmen, Mähren und Schlesien", die sich der "richtigen" Landsmannschaft der nachkriegsvertriebenen Deutschen mit Sitz in München eng verbunden fühlt. Eine Verbundenheit, die die Münchner nicht nur nicht zu teilen vermögen; die "richtigen" Sudetendeutschen sind stinksauer auf den Verein, der sich da gerade an der Moldau konstituiert.

Fünfeinhalb Jahre haben der nach der Wende aus dem Schweizer Exil zurückgekehrte antikommunistische Bürgerrechtler Jan Sinagl, der frühere Mitherausgeber der "Britske listy" und Befürworter der tschechischen Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf", Tomas Pecina, und der einstige Unternehmer mit tschechisch-deutschen Wurzeln, Wolfgang Habermann, um die Registrierung ihrer Landsmannschaft bei den zuständigen tschechischen Behörden gekämpft. So richtig registriert ist diese noch immer nicht, weil die Behörden bislang ein entsprechendes Urteil zugunsten des Vereins ignorieren. Was die "tschechischen" Sudetendeutschen aber nicht hindert, sich an diesem Nachmittag offiziell der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die drei Vorstandsmenschen hätten bei der Tagung zu gern den Sprecher der Sudetendeutschen aus München, Bernd Posselt, bei sich gehabt. Doch der hat demonstrativ abgesagt. Die Vertriebenen aus Deutschland werden vom Chef des selbst bei vielen Sudetendeutschen nicht eben wohl gelittenen Witikobundes, Felix Vogt Gruber, vertreten. Er sagt aber kein Wort.

Dass Posselt die Einladung ausgeschlagen hat, hat vordergründig mit dem Namen des tschechischen Vereins zu tun. Beide Vereine nennen sich "Sudetendeutsche Landsmannschaft". Posselt hat die "tschechischen" Sudetendeutschen mehrfach gebeten, ihre Bezeichnung zu ändern. Anderenfalls könnten die sich nicht nur jedweden Kontakt nach München aus dem Kopf schlagen. Man sähe sich notfalls sogar gezwungen, sich mit dieser Landsmannschaft "juristisch und politisch auseinanderzusetzen".

Die "tschechische" Landsmannschaft versteht nach außen hin die Bockbeinigkeit aus München überhaupt nicht. Pecina kann darüber "nur den Kopf schütteln". Wo man doch den eigenen Verein als reinen Ausdruck der "Solidarität mit den Sudetendeutschen und ihren berechtigten Ansprüchen" begreife. Den wahren Grund für die unverhohlene Antipathie findet man im Statut der "tschechischen" Sudetendeutschen. Dort sind etwas verklausuliert auch Ziele enthalten, die man in München gerade erst aufgegeben hat - die Forderung nach "Wiedergewinnung der Heimat" und die auf "Restitution bzw. gleichwertige Entschädigung". Dies war in der "richtigen" Landsmannschaft schwer durchzusetzen und zieht bis heute ein heftiges Rumoren nach sich. Vorstand und Bundesversammlung bleiben aber dabei, wie Posselt betont, und wollen diese Zäsur "auch unter schärfstem Druck nicht relativieren".

In München folgt man damit der pragmatischen - Kritiker sagen:: opportunistischen - Linie des Schirmherrn der Vertriebenen, des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Dem liegt die Vergangenheit zwar auch - irgendwie - noch am Herzen. Aber Seehofer will vor allem nach vorn sehen. Tschechien und Bayern sind Nachbarn.

Auf die Frage in der Diskussion, wie sich die "tschechische" Landsmannschaft unter diesen Umständen ein Miteinander mit der "richtigen" Landsmannschaft vorstellt, kommt dann auch keine ernsthafte Antwort. Einer der drei Chefs des Vereins sagt hinter vorgehaltener Hand: "Wenn die Münchner ihre Ziele aufgeben, dann machen wir die eben zu unseren Zielen."

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