Bildung Studie: Politik tut zu wenig für die Bildung

Berlin / Mathias Puddig 23.06.2018

Seit Jahren wiederholen Politiker, dass Wissen Deutschlands wichtigster Rohstoff ist – und bei den Leute kommt das offenbar an. Immer mehr Menschen nehmen Bildungsangebote wahr. Zugleich streben Schüler und Studenten nach immer höheren Abschlüssen. Dass sich dieser Trend fortsetzt, hat der 7. Nationale Bildungsbericht gezeigt.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte bei der Vorstellung der Studie: „Bildung zahlt sich für den Einzelnen aus, aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.“ Je höher die Bildung, desto eher finden die Menschen einen Arbeitsplatz und desto besser wird er bezahlt.

Wenn Bildung aber Deutschlands wichtigster Rohstoff ist, dann fragt man sich, warum die Politik sich nicht besser um ihn kümmert. Die Autoren des Bildungsberichts nannten teils dramatische Aufgaben, vor denen die Bildungssysteme stehen. Sprecher Kai Maaz formulierte fünf zentrale Herausforderungen: Neben der gewachsenen Zahl an Bildungsteilnehmern und dem Streben nach höheren Abschlüssen nannte er die gewachsene Heterogenität an Kitas und Schulen. Die Zahl der Kita-Kinder, in deren Familie nicht vorrangig Deutsch gesprochen wird, ist zwischen 2006 und 2017 von 363 000 auf 553 000 gestiegen.

Zugleich wächst die Kluft zwischen der Leistungsspitze und den Benachteiligten. Das liegt nicht nur an individuellen Fähigkeiten: 79 Prozent der Kinder von Akademikereltern studieren, bei Arbeitern sind es 24 Prozent. Karliczek: „Ein zentrales politisches Ziel ist und bleibt Chancengerechtigkeit.“ Sie schränkte aber ein, dass es „keinem europäischen Land und auch keinem in der Welt“ gelingt, Leistung und Herkunft völlig zu entkoppeln.

Gerade im Osten Deutschlands gibt es Gegenden, die von einem „substanziellen Rückgang von Bildungseinrichtungen“ betroffen sind, sagt Maaz. „Das hat Folgen für die Attraktivität der Regionen als Arbeits-, Bildungs- und Wohnort“, heißt es im Bericht.

Angesichts dieser Lagebeschreibung will der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), den Bericht als „Weckruf an die Politik“ verstanden wissen. Auch die Experten halten enorme Investitionen in Personal und Infrastruktur für nötig. Sie weisen zudem darauf hin, dass Deutschland nicht einmal die selbstgesteckten Ziele erreicht. Bis 2015 sollten die Gesamtausgaben für Bildung und Forschung auf zehn Prozent des BIP steigen. Noch 2016 hinkten Bund, Länder und Kommunen diesem Ziel um einen Prozentpunkt hinterher.

17

Prozent der Bürger haben den Besuch einer Universität oder Hochschule mit Erfolg abgeschlossen – das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch vor zehn Jahren.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel