Südwest-CDU Strobl sagt AKK „volle Unterstützung“ zu

Bleibt Bundes- Vizechef: Thomas Strobl
Bleibt Bundes- Vizechef: Thomas Strobl © Foto: Christian Charisius/dpa
Hamburg / Von Roland Muschel 08.12.2018

Das Bayerische Brauhaus in Hamburg ist am Donnerstagabend fest in der Hand der baden-württembergischen CDU. „Heute haben wir mit CDU-Fahnen alles Bayerische verdeckt“, begrüßt der Generalsekretär der Südwest-CDU, Manuel Hagel, die Parteifreunde am Vorabend des Bundesparteitags launig. Auf den Holztischen stehen Biergläser, zu essen gibt es „Schlachtplatte oder Butterbrot“. Als Hagel Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble namentlich begrüßt, will der Applaus nicht enden. Schäubles Werben für den Kandidaten Friedrich Merz hat andernorts Kritik provoziert. Hier wird sie gefeiert. Baden-Württemberg gilt als Merz-Land. Mindestens 80 der 154 Delegierten aus dem Südwesten wählen Merz, schätzen selbst Anhänger von Annette Kramp­Karrenbauer, kurz: AKK.

Dabei gibt es durchaus Unterschiede. Während im größten Bezirksverband Nordwürttemberg Merz an der Basis satte Mehrheiten hätte, schlagen in Südbaden mehr Herzen für AKK. Der Merz-Fanclub ist lauter, offensiver, manchen auch zu offensiv. „Die Anrufe nerven“, berichten Delegierte. „Es haben sich Leute gar nicht mehr getraut, zu sagen, dass sie für Annegret sind“, sagt die Heidenheimer Europaabgeordnete Inge Grässle.

Das Ergebnis am Freitag ist trotzdem für viele Südwest-Delegierte eine Enttäuschung. Im Bundeskabinett ist der Landesverband unterrepräsentiert, auch den Chef der CDU-Bundestagsfraktion stellt er nicht mehr. Das Gefühl, wenigstens Königsmacher zu sein, hätte die Seele der Südwest-CDU gestreichelt.

„Für das knappe Ergebnis waren sicher die Reden ausschlaggebend. AKK kam ein Stück weit menschlicher rüber“, sagt der Ravensburger CDU-Kreisvorsitzende Christian Natterer, der eine Merz-Unterstützer-Initiative ins Leben gerufen hatte. Er hätte sich von Merz’ Rede „einen Ticken mehr erhofft“, sagt der Waiblinger Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek. Er sieht nun die Gewinnerin gefordert, die innere Sicherheit mehr in den Fokus zu rücken. „Ein bloßes Weiter-so kann und darf es nicht geben.“

Ein „weise Entscheidung“ habe der Parteitag getroffen, freut sich dagegen Inge Grässle. Auch die Ludwigsburger Delegierte Isabell Klein sieht im Ergebnis „eine große Chance“. Das Dilemma, in dem der Landesverband nun steckt, fasst ein Parteistratege so zusammen: „Das Ergebnis ist gut für künftige Wahlen, aber schlecht für die Stimmung an unserer Basis.“ Bei einem Delegierten aus Nordwürttemberg trudeln direkt nach der Niederlage von Merz mehrere Kurznachrichten von Enttäuschten ein. Einer schreibt: „Der Mitgliedsantrag bleibt ohne Unterschrift.“

„Vereinzelte werden grollen, das wäre andersherum aber auch so gewesen“, sagt dagegen CDU­Landeschef Thomas Strobl. Er verspricht AKK „volle Unterstützung“ aus Baden-Württemberg. Der Parteitag bestätigt ihn mit 59,34 Prozent – dem zweitschlechtesten Ergebnis – als einen der fünf Stellvertreter der neuen Bundesvorsitzenden.

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