Asylbewerber Streit um Alterstests für junge Migranten

Berlin / Michael Gabel 03.01.2018
Polizeigewerkschaft fordert Röntgenuntersuchungen für junge Asylbewerber, um deren Alter zu bestimmen. Ärzte lehnen das aber ab.

Nach der Tötung einer 15-Jährigen spitzt sich der Streit um Tests zur Altersfeststellung junger Migranten zu. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, unterstützt Forderungen aus der Union nach obligatorischen Alters­prüfungen mit Hilfe der Medizin. „Polizisten sind es gewohnt, bei jedem Verkehrsteilnehmer, den sie anhalten, zweifelsfreie Angaben über die Identität zu erhalten. Das muss auch bei angeblich minderjährigen Asylbewerbern möglich sein“, sagte er der SÜDWEST PRESSE. Solche Altersbestimmungen könnten mit Röntgenuntersuchungen des Handgelenks erfolgen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, lehnt solche Tests ab.  „Wenn man das bei jedem Flüchtling täte, wäre das ein Eingriff in das Menschenwohl“, betonte er.

Hintergrund der Debatte: Im pfälzischen Kandel hatte ein angeblich 15-jähriger Afghane seine Ex-Freundin erstochen. Grund war offenbar Eifersucht.

Unionspolitiker fordern nun verpflichtende Tests, die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und auch die Linke lehnen das ab.

Der Grünen-Politiker Boris Palmer brachte die Umkehr der Beweispflicht ins Gespräch. „Wer nicht nachweisen kann oder durch eine Untersuchung nicht belegen will, dass er unter 18 Jahre alt ist, wird als Erwachsener behandelt“, schlug der Tübinger Oberbürgermeister vor.

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