MARTIN HOFMANN Die Stiftung Organtransplantation tauscht die Führungsspitze aus, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Doch das reicht nicht aus - eine Organisation, die für Organspende wirbt und sie zudem betreibt, bedarf einer völlig neutralen Kontrolle. Ein Kommentar von Martin Hofmann

Selbstlos und zutiefst menschenfreundlich muss ein Mensch handeln, der nach festgestelltem Hirntod Organe spendet. Er muss darauf vertrauen, dass diejenigen, die mit seinen Spenden Schwerstkranken helfen, genauso denken und handeln.

Die Skandale um Organtransplantationen in Deutschland haben dieses Vertrauen massiv erschüttert. Das Manipulieren von Wartelisten hat nicht nur die Spender verunsichert, sondern auch die Empfänger. Wer seinen Tod vor Augen hat, den darf man solchen abstoßenden Belastungen nicht aussetzen.

Die private Stiftung Organtransplantation versucht nun, verlorene Glaubwürdigkeit in die Organisation der Organspende zurückzugewinnen. Sie hat ihren Vorstand ausgewechselt. In ihrem Stiftungsrat ändert sie die Stimmenverteilung zugunsten der Gesundheitsbehörden.

Dies reicht leider nicht aus. Eine Organisation, die für Organspende wirbt und sie zudem betreibt, bedarf einer völlig neutralen Kontrolle. Sie muss von Menschen ausgeübt werden, die mit den Verfahren selbst nichts zu tun haben.

Nun lässt sich trefflich streiten, ob nur der Staat diese Aufsicht übernehmen kann. Verbände und Gesellschaften, die mit Transplantationen in irgendeiner Weise finanziell zu tun haben, können aber nicht als zuverlässige Garanten auftreten. Ihnen nimmt man nicht ab, dass sie Spendern wie Empfängern in gleichem Maße gerecht werden.

Dieser Unabhängigkeit bedarf es, damit Menschen Vertrauen in die Organspende zurückgewinnen. Dann können sie sich gegen oder für die Möglichkeit entscheiden, anderen am Lebensende zu helfen. Auf andere Art finden sich nicht mehr Spender.