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Bei der Parlamentswahl in der Türkei ging es gestern nicht nur um die nächste Regierung, sondern auch um das künftige politische System der Türkei - und um die Macht von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die von ihm mitgegründete AKP, die seit 2002 regiert, will nach der Wahl eine Verfassungsreform auf den Weg bringen. Deren Ziel: Ein Präsidialsystem, in dem Erdogan nach Befürchtungen seiner Kritik zum allmächtigen Herrscher werden könnte. Dafür benötigt die AKP mindestens 60 Prozent der Sitze im Parlament. In der Großen Nationalversammlung in Ankara sitzen insgesamt 550 Abgeordnete.

Die seit dem Jahr 2002 regierende AKP ist die stärkste politische Kraft im Land. In Umfragen lag sie zuletzt bei 40 bis 45 Prozent. Mit Spannung erwartet wurde aber auch das Ergebnis der pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP). Die HDP vertritt die kurdische Minderheit in der Türkei und ist Sammelbecken all jener, die unzufrieden mit der Regierung der islamisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) sind. Bei einem Einzug ins Parlament kann sie mindestens 60 Abgeordnete stellen und damit die Pläne Erdogans für eine Verfassungsänderung womöglich durchkreuzen. Im Wahlkampf war die HDP immer wieder zum Ziel von Anschlägen und Übergriffen geworden.

Zur Wahl waren etwa 54 Millionen Wahlberechtigte in der Türkei und etwa 2,8 Millionen im Ausland lebende Türken aufgerufen. Letztere konnten bereits im Mai ihre Stimme in diplomatischen Vertretungen ihres Landes abgeben. Von den rund 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken in Deutschland beteiligten sich laut türkischen Medien knapp 534 000 an der Wahl.