Abgaben Steuern und Sozialabgaben: Das ändert sich 2018

Berlin / Hajo Zenker 05.01.2018
Die Steuerlast sinkt, die Sozialabgaben steigen. Wir zeigen, wer am Monatsende profitiert.

Von einer echten Steuerreform, die die Bürger spürbar entlastet, sind wir weit entfernt. Ob eine neue Bundesregierung sie uns näher bringt, steht in den Sternen. Und so gehen die ab diesem Jahr gültigen Entlastungen noch auf den einstigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zurück. Der allerdings hatte sie auch nicht so ganz freiwillig in die Wege geleitet, verfassungsrechtliche Vorgaben etwa im Hinblick auf das Existenzminimum mussten erfüllt werden. Der Grundfreibetrag jedenfalls, das steuerfreie Existenzminimum, ist nun erneut gestiegen, nämlich um 180 Euro auf 9000 Euro. Bis zu diesem Betrag fallen also keine Steuern an. Für Ehe-/Lebenspartner mit einer gemeinsamen Steuererklärung gilt der doppelte Betrag, also 18 000 Euro. Das monatliche Kindergeld wird um zwei Euro pro Kind erhöht. Zugleich ist der jährliche Kinderfreibetrag um 72 Euro gestiegen.

Allerdings wurde von der bisherigen großen Koalition auch ein wenig gegen die sogenannte kalte Progression getan. Der Begriff beschreibt das Phänomen der Steuermehrbelastung, die entsteht, wenn die Löhne genauso stark wachsen wie die Inflation, die Einkommensteuersätze jedoch unverändert geblieben sind. Dadurch rutschen viele Bürger in einen höheren Steuersatz, letztlich steht ihnen trotz Lohnerhöhung weniger Kaufkraft zur Verfügung. Das Schäuble-Gesetz verschob den Einkommensteuertarif von 2016 auf 2017 um 0,73 Prozent und für 2018 um 1,63 Prozent. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat das so übersetzt: Wenn ein bestimmter Steuersatz 2016 bei 15 000 Euro gegriffen habe, wurde er 2017 erst bei 15 110 Euro fällig, und in diesem Jahr bei 15 356 Euro.

Aber: Die Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung werden im Westen nun nicht mehr nur bis zu einem Betrag von 6350 Euro erhoben, sondern bis zu 6500 Euro. Übersteigt der Bruttolohn diese Grenze, ist der darüber liegende Teil sozialabgabenfrei. Wer also konstant 6500 Euro im Monat verdient, hat 2017 als Arbeitnehmer die Hälfte des Rentenbeitrages von 18,7 Prozent auf 6350 Euro bezahlt – also 593,73 Euro. In diesem Jahr wird die Hälfte des leicht abgesenkten Satzes von 18,6 Prozent fällig, aber auf 6500 Euro, was 604,50 Euro bedeutet. In der Kranken- und Pflegeversicherung ist die Grenze bundesweit von 4350 auf 4425 Euro gestiegen. Diese Effekte zusammengenommen bedeuten nach Berechnungen von Frank Hechtner, Professor für Steuerlehre an der TU Kaiserslautern, auf der unsere Tabellen beruhen, für einen Single: Bei einem Monatsbrutto von 6000 Euro beträgt die Entlastung 277 Euro, bei 6500 Euro reduziert sich die Ersparnis auf 145 Euro. Die Steuerentlastung wird also zum Teil durch die Sozialversicherungsbeiträge wieder aufgefressen. Etwas stärker profitieren dagegen Arbeitnehmer mit 3500 Euro (184 Euro) oder 4000 Euro (215 Euro) im Jahr.

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