Hintergrund Stadtstaat Singapur: Sicher und neutral

Wohlhabend und politisch neutral: Singapur.
Wohlhabend und politisch neutral: Singapur. © Foto: afp/Roslan Rahman
Singapur / Felix Lee 12.06.2018

Für den Stadtstaat Singapur soll der Gipfel auf jeden Fall ein Erfolg werden. Der Gastgeber setzt alles daran, sein Image aufzupolieren. Herausgeputzt ist der Stadtstaat, dessen 5,5 Millionen Einwohner über eins der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt verfügen, ohnehin. Staatsgründer Lee Kuan Yew hatte in den 80er Jahren die Losung ausgegeben, die ganze Stadt habe wie ein Park auszusehen. So gut wie jeder nicht genutzte Asphaltstreifen ist mit Ranken, Palmen oder Blumen bepflanzt. Müll wegwerfen oder auch nur ein Kaugummi ausspucken wird in Singapur hart geahndet.

Überhaupt dürfte die rigorose Überwachung in dem autoritären Staat für die US-Regierung ausschlaggebend gewesen sein, sich für Singapur als Gipfelort zu entscheiden. Auf Nachfrage, warum die Wahl auf Singapur fiel, antwortete ein Vertreter der US-Regierung: „Sicherheit, Lage, Neutralität.“ In keinem Land gibt es pro Quadratmeter so viele Überwachungskameras. Hinzu kommen zehntausende Polizisten. Im „Safe City Index“ der weltweit 60 sichersten Städte nimmt Singapur den zweiten Rang ein.

Was die Gefahr von Terroranschlägen betrifft, können nicht einmal klassische Tagungsorte der internationalen Diplomatie wie Wien, Stockholm oder Genf mithalten. Singapur ist zwar eine Stadt, die zu knapp 75 Prozent von chinesischstämmigen Einwanderern bewohnt ist. 13 Prozent sind zumeist muslimische Malayen, knapp acht Prozent Inder. Doch Toleranz und die Achtung der unterschiedlichen Kulturen werden in Singapur sehr hoch gehalten. Niemand soll sich wegen seiner Ethnie oder Religionszugehörigkeit diskriminiert fühlen.

In weltpolitischen Fragen bezieht Singapur nur selten Position. Aufgrund seiner geostrategischen Lage an der Straße von Malacca tritt Singapur gern als neutraler Vermittler zwischen den Mächten China und Indien sowie den aufstrebenden Schwellenländern Südostasiens auf. Und auch zu den USA pflegt Singapur gute Beziehungen. Zugleich unterhält der Stadtstaat als einer von wenigen Staaten auch zu Nordkorea regelmäßigen Kontakt. Die Zivilgesellschaft hingegen hat es schwer in Singapur. Demonstrationen werden nur selten geduldet.

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