Caritas Staatengemeinschaft vernachlässigt Hilfe

Freiburg / Elisabeth Zoll 12.07.2018

Caritas International blickt auf ein Rekordjahr zurück. 79,5 Millionen Euro, davon 34 Millionen in Form von Spenden, standen dem internationalen Hilfswerk mit Sitz in Freiburg im vergangenen Jahr zur Verfügung. „So viel wie noch nie“, bilanziert Caritas-Präsident Peter Neher. Mit dem Geld konnten 2017 rund 680 Projekte in 83 Ländern unterstützt werden – und damit 129 Millionen Menschen. Das um 7,2 Millionen angestiegene Spendenaufkommen sei eine direkte Reaktion auf die vielen Katastrophen, die das vergangene Jahr begleitet haben: Hungersnöte in Afrika, die Vertreibung der Rohingyas in Myanmar – und immer wieder Syrien.

Dieser Krisenherd wird bleiben. Es sei „kaum vorstellbar“, dass Flüchtlinge aus Syrien in „absehbarer Zeit“ in ihre Heimat zurückkehren könnten, meint Neher, der sich Anfang des Jahres selbst einen Überblick über die Lage in Syrien und die erforderlichen Hilfen verschafft hat. Vor allem im Süden des Landes wird noch immer gekämpft. Und selbst dort, wo heute die Waffen schweigen, ist das Elend groß: Weite Teile der Infrastruktur sind zerbombt. Zudem harren im Kriegsland sechs Millionen Binnenflüchtlinge in Notlagern aus. Viele von ihnen seien ohne Hilfe von außen nicht überlebensfähig.

Als „absolut unverantwortlich“ nennt Neher da Forderungen aus der Politik, Geflohene rasch ins Krisengebiet zurückzuschicken. Man habe den Eindruck, dass „das Regime von Baschar al Assad nichts tut, um ihnen eine Rückkehr zu ermöglichen.“ Im Gegenteil:  Mit einem neuen Gesetz konnten Geflohene enteignet werden, die ihren Besitz nicht innerhalb einer Frist von 30 Tagen geltend machen konnten. Wer aber länger in Deutschland bleiben müsse, brauche Familie. Der Caritas-Präsident hält die von der großen Koalition zum 1. August angestrebte Beschränkung beim Familiennachzug auf 1000 Personen pro Monat für falsch. Die subsidiär Geschützten seien darauf angewiesen, dass sie zumindest vorübergehend eine Zukunft in Deutschland haben.

Neher beklagt eine Stimmung, die in erster Linie auf Abschottung und Abschiebung ziele. Deutschland ist da kein Ausnahmefall. Immer mehr Staaten entzögen sich der Verantwortung für Schwache und Krisenflüchtlinge. Hilfszusagen würden häufig nicht eingehalten. Dafür müssten dann Hilfswerke in die Bresche springen.

Die Ignoranz der Staatengemeinschaft „entbindet uns nicht zu helfen“, sagt Neher. Doch habe die staatliche Verweigerung Konsequenzen. Neher erinnert an die Jahre 2014 und 2015. Damals hatte die Staatengemeinschaft ihre Hilfsgelder für das UN-Flüchtlingshilfswerk massiv zurückgefahren. Die Versorgung in manchen Lagern brach darauf hin zusammen. Mit einer gravierenden Folge: Die Menschen machten sich auf den Weg nach Europa.   

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