Brennende Kerzen stehen verteilt auf einem Kreuz und erleuchten den zur Wohnung umgebauten Schuppen. Männer sitzen um den Tisch und lauschen. Ein Mittzwanziger trägt Bibelzitate aus dem Alten Testament vor - eine friedlich anmutende Szenerie in einem Haller Teilort, wie sie sich zwischen 2000 und 2003 monatlich abspielt.

Doch der Anschein trügt. Es geht um rassistische Zitate wie "Die Völker Afrikas werden sich dir ergeben und dir gehören," (Jesaja 45, 14). Achim S., Chef der "European White Knights of the Ku Klux Klan", kurz EWK, hat das Wort, erzählt Aussteiger Peter M. (Name geändert) der SÜDWEST PRESSE.

Erschreckend, dass der Klan bis ins Hohenlohische vernetzt ist. Noch erschreckender: Es bestehen Verbindungen zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Öffentlich wurde der Fall um den Ku-Klux-Klan-Ableger EWK, als bei der Untersuchung zum NSU-Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter die Namen von zwei Böblinger Bereitschaftspolizisten auftauchten. Beide wurde bei Ritualen im Raum Hall in den Klan aufgenommen, einer der beiden war der Gruppenführer der Getöteten.

Eine direkte Verbindung zur Terrorzelle entsteht durch Thomas R., V-Mann des Bundesamts für Verfassungsschutz, Deckname "Corelli". Er war regelmäßig aus Halle zu Treffen nach Schwäbisch Hall gefahren. Seine Kontaktdaten tauchen handschriftlich im Adressbuch von Uwe Mundlos auf.

Spitzel Thomas R., einst führender Kopf der rechten Szene in Sachsen-Anhalt, verbreitete seine rassistische Ideologie als Herausgeber der Zeitung "Nationaler Beobachter". Er schrieb auch für das Online-Magazin "Der weiße Wolf". Auf der Seite tauchte 2002 der Kommentar auf: "Vielen Dank an den NSU". Neun Jahre bevor die Mordserie der Terrorzelle bekannt wurde.

Sympathisierte der Klan mit dem NSU? Der Aussteiger bestreitet das. "Sie waren nie bei Treffen oder Ritualen dabei." Fotos belegen aber, dass die Terroristen Beate Zschäpe und Uwe Bönhardt in den 90ern bei Kreuzverbrennungen eines anderen Klans anwesend waren.

Generalbundesanwalt Harald Range, der den Fall Zschäpe untersucht, sieht derzeit keinen Zusammenhang zwischen NSU und KKK. Ausschließen möchte dies aber auch keiner. Behörden reagieren ohnehin vorsichtig, wenn Anfragen zu den Kapuzenträgern eingehen - stehen sie doch wegen des laxen Umgangs mit der Affäre in der Kritik. Denn ungeklärt ist, wie viele Polizisten tatsächlich mitgemischt haben.

Die Böblinger Beamten wurden gerügt, sind aber weiter im Dienst. Im Bericht des baden-württembergischen Innenministers Reinhold Gall wird die Rüge damit gerechtfertigt, dass die Polizisten nicht über die Ideologie des Klans informiert waren. Die Mitgliedschaft alleine ist nicht strafbar. "Dass sie nichts von der rassistischen Ideologie wussten, ist Humbug", so Aussteiger M. Beide hätten sich in die Statuten eingearbeitet, bevor sie "eingebürgert" wurden. Bei zwei weiteren Polizisten aus dem Raum Stuttgart gab es den Verdacht der Mitgliedschaft. Beide wurden observiert, heißt es aus Ermittlerkreisen. Es gab keine Beweise. Einer ist der Bruder eines Klan-Mitglieds, der andere pflegte privaten Kontakt zu Mitgliedern.

Dann gibt es noch eine Polizistin aus Stuttgart, die wegen ihres Hasses gegen Schwarze, wie Spitzel "Corelli" dem Verfassungsschutz steckte, Mitglied werden wollte. Sie habe ihren Antrag zurückgezogen, da es ihr zu brenzlig wurde. "Wir haben damals viele Anfragen erhalten", sagt Peter M. Radikale Bewerber seien aber abgelehnt worden, "weil wir ein gewisses Niveau halten und keine saufenden Schläger haben wollten."

Die Polizei schwieg jahrelang zu den Vorfällen - obwohl von 2000 an die Wohnung von Klan-Chef S. in einem Haller Teilort mehrmals durchsucht wurde. Und die Beamten Beweise für die Existenz des KKK-Ablegers fanden: Kapuzen hingen an der Wand, in einem Koffer waren Klan-Urkunden mit Siegel, die neuen Mitgliedern ausgehändigt werden sollten. Polizeisprecher bestritten die Funde stets - und verweisen nun auf das Innenministerium.

Eine schlechte Figur machte auch Verfassungsschutz-Chefin Beate Bube, die noch im August erzählte, dass der Geheimdienst 2003 taktisch vorgegangen sei, um die Auflösung des Klans zu provozieren. Dazu seien Mitglieder über Abhörmaßnahmen informiert worden. Tatsächlich war es der Geheimnisverrat eines Verfassungsschutzmitarbeiters in sensibler Position. Er informierte den Ober-Kapuzenmann über die Beschattung.

Die Gruppe löste sich 2003 auf, weil Klan-Chef S. Gelder veruntreut hatte. "Nicht wegen dem Verfassungsschutz", so der Aussteiger. Der damalige Anführer S. lebt heute in Schleswig-Holstein. Laut Günter Loos, Sprecher des Innenministeriums, gibt es seit 2003 keinen KKK-Ableger mehr in Hall.

Vor einigen Wochen tauchte aber auf der US-Webseite der "United Northern and Southern Knights of the Ku Klux Klan", der Name "Didi White" als Europachef auf. Gemeint ist Dietmar B. Er wohnt in derselben Straße wie früher Achim S. Gall spricht von einer "One-Man-Show". Aus dem linken Spektrum heißt es, dass regelmäßige Treffen "mit mehreren Fahrzeugen" stattfänden. Auch eine amerikanische Bar in Hall diene als Treffpunkt. Loos sagt: "Der Verfassungsschutz hat ein Auge auf diesen Herrn."