Die SPD will sich durch die erneute Kanzlerkandidatur von Angela Merkel nicht unter Druck setzen lassen und erst Ende Januar entscheiden, wen sie gegen die CDU-Amtsinhaberin ins Rennen schickt. Diese Frage solle wie geplant auf einer Vorstandsklausur geklärt werden, beschloss die SPD-Spitze. Vizekanzler Sigmar Gabriel hat als SPD-Chef den ersten Zugriff in der „K-Frage“. Er hat sich aber noch nicht entschieden, ob er antritt. Würde Gabriel wie 2013 angesichts mäßiger Beliebtheitswerte zurückziehen, gilt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als möglicher Kanzlerkandidat.

„Frau Merkel wollte die Debatte um ihre eigene Person beenden, bevor es andere tun“, sagte die baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Ute Vogt der SÜDWEST PRESSE. „Wir reden über Inhalte, die Union redet über Merkel.“ Klaus Barthel, Chef der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, sagte dieser Zeitung: „Wir sollten jetzt nicht über unsere Aspiranten reden, sondern über Positionen und Konzepte, damit wir in die Vorhand kommen und nicht bloß auf Merkel reagieren. Sigmar Gabriel ist nicht der einzig denkbare SPD-Kanzlerkandidat.“

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) betonte, es müsse „nicht schnell gehen, sondern erfolgreich“. Mit Gabriel? „Klar, er ist der beste SPD-Vorsitzende seit Willy Brandt.“

In der CSU gibt es weiter Vorbehalte gegen eine erneute Kandidatur Merkels. „Wir akzeptieren das, aber Euphorie kommt deswegen nicht auf“, sagte der CSU-Politiker und Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich. Ähnlich äußerte sich Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). CSU-Chef Horst Seehofer hatte nach Merkels Erklärung vom Sonntag gesagt: „Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht, und dass sie sich entschieden hat.“ Anfang 2017 wollen CDU und CSU zusammen „an einem gemeinsamen Wahlprogramm“ arbeiten, wie Merkel am Sonntag angekündigt hatte.