Was passiert, wenn es in Griechenland keine Mehrheit für die Fortsetzung des Sparkurses gibt?

Nur wenn die Griechen weiter sparen, können sie mit den notwendigen Milliarden aus den Hilfspaketen der Geldgeber-Troika aus Europäischer Union (EU), Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) rechnen. Spätestens Anfang Juni kommen Troika-Vertreter nach Athen, um über weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft zu sprechen. Bis dahin sollte Griechenland eine handlungsfähige Regierung haben.

Wann braucht Athen wieder frisches Geld?

Bis Ende Juni sollten es 30 Milliarden Euro sein. Davon sind 7 Milliarden für Renten und Löhne im staatlichen Bereich und 23 Milliarden für die Stabilisierung des Bankenbereichs nach dem Schuldenschnitt bestimmt. Finden die Troika-Kontrolleure keine handlungsfähige Regierung in Athen vor, könnten sie den Geldhahn zudrehen und Griechenland wäre Ende Juni pleite.

Was wären die Folgen einer Staatspleite?

Vor allem das griechische Bankensystem würde leiden, im schlimmsten Fall zusammenbrechen und die griechische Wirtschaft weiter in Mitleidenschaft ziehen. Um die Banken zu rekapitalisieren, würde der Regierung in Athen das Geld fehlen.

Ist der Austritt aus der Eurozone eine Option?

Um den Euro nicht noch mehr zu schwächen, könnte Griechenland die Eurozone verlassen und zur Drachme zurückkehren. Das hätte den Vorteil, dass Griechenland eine den nationalen Vorstellungen entsprechende Währungs- und Inflationspolitik betreiben könnte. Die hohen Lohnsteigerungen der vergangenen zehn Jahre könnten wieder rückgängig gemacht werden, die Wettbewerbsfähigkeit würde sich so verbessern. Einen Euro-Ausstieg will in Griechenland aber kaum jemand, nicht mal Alexis Tsipras von den Radikalen Linken, der aber den Schuldendienst einstellen und die Verträge über die Hilfskredite kündigen will. Aus Angst vor dem Euroverlust könnte also doch eine Mehrheit im Parlament für weitere Sparrunden zusammenkommen.

Was würde ein Euroaustritt für die anderen Euroländer bedeuten?

Für den Euro und die weiter auf ihn setzenden Länder wäre der Austritt Griechenlands ein hohes Risiko. Zumindest ein Teil der Märkte würde auf weitere Austritte hochverschuldeter Länder wie Spanien, Portugal oder Italien spekulieren. Die Turbulenzen um die Gemeinschaftswährung könnten sich also durch den Austritt Griechenlands noch verstärken, weshalb er auch von vielen Fachleuten und Politikern komplett abgelehnt wird.

Wie könnte es mit der griechischen Wirtschaft weitergehen?

Griechenland steht nach dem geglückten Schuldenschnitt und dem zweiten Hilfspaket nicht mehr so sehr im Fokus der Finanzmärkte, wie das noch in den vergangenen Monaten der Fall war, sagt Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank. Langfristig könne dem Land nur mit mehr Wachstum geholfen werden. Der Leiter der deutsch-griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen, Martin Knapp, rechnet jedoch mit einem langanhaltenden Stillstand bei Investitionen: "Investoren kommen ja im Moment ohnehin nicht nach Griechenland. Auch Griechen selber, die investieren könnten, tun es nicht. Jeder wartet ab, was kommt."