Gesundheit Mehr Geld: Spahn will Heilberufe attraktiver machen

Ein Physiotherapeut bei der Arbeit: Heilberufe tragen viel zur Genesung von Patienten bei.
Ein Physiotherapeut bei der Arbeit: Heilberufe tragen viel zur Genesung von Patienten bei. © Foto: ©Lopolo/Shutterstock.com
Berlin / Hajo Zenker 06.12.2018
In Deutschland mangelt es an Menschen, die Heilberufe ergreifen. Sie sind zu unattraktiv. Das soll sich ändern.

Die sogenannte Blankoverordnung ist Teil einer am Mittwoch vorgestellten Gesetzesänderung. Das bedeutet: Egal, wie lange die Krankengymnastik letztlich dauert – ein Rezept vom Arzt reicht. Der Physiotherapeut entscheidet dann selbst über die Art und Häufigkeit der Behandlung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Heilberufe mit mehr Geld, weniger Bürokratie und besserer Versorgung der Patienten besser stellen. Spahn sagte, die kurzfristige Hereinnahme der Maßnahmen für die Heilberufe in das bereits auf den Weg gebrachte Terminservice- und Versorgungsgesetz sei auch eine Reaktion auf Proteste von Physiotherapeuten gegen ihre schlechte Bezahlung. Sie verdienten im Durchschnitt kaum mehr als 2000 Euro brutto im Monat. Das sei auch im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen „deutlich zu wenig“.

„Das muss uns mehr wert sein.“

Spahn will „durch konkrete Verbesserungen Vertrauen zurückgewinnen“. Dazu gehöre auch die Abschaffung des Schulgeldes. In einigen Regionen mangele es an Fachkräften. Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Diätassistenten oder Fußpfleger leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Patienten, etwa nach Operationen, Verletzungen oder bei Sprachschwierigkeiten: „In vielen Fällen ist nicht nur der Arzt gefragt, sondern auch der Therapeut“, sagte der Minister. „Das muss uns als Gesellschaft mehr wert sein.“ Dazu werden zum 1. April 2019 bundesweit die Preise für die Leistungen auf ein einheitliches Niveau angehoben. Bisher fallen diese je nach Region recht unterschiedlich aus.

Beim GKV-Spitzenverband, der Dachorganisation aller 110 gesetzlichen Krankenkassen, wurde zwar begrüßt, für Berufe wie Physio- und Ergotherapeuten die Bedingungen zu verbessern. „Das vorgeschlagene Modell einer Einheitsvergütung vom Bodensee bis an die Müritz aber lehnen wir ab“, so Sprecher Florian Lanz. Im Übrigen habe es bereits Verbesserungen in der Vergütung gegeben. Im laufenden Jahr seien die Ausgaben der Krankenkassen in diesem Bereich bisher bereits um zehn Prozent gestiegen.

Kosten sollen die Verbesserungen bei den Heilberufen die Krankenkassen laut  Spahn 500 bis 600 Millionen Euro im Jahr. Das dürfte nach Ansicht des Ministers kein Problem darstellen, weil die gesetzlichen Kassen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres einen Überschuss von 1,86 Milliarden Euro erzielt hätten. Die Rücklagen seien auf 21 Milliarden Euro gewachsen.

In den Heilberufen arbeiten um die 140.000 Menschen in eigenen Praxen oder als Angestellte, 50.000 weitere als Angestellte in Krankenhäusern.

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