Havanna/Washington Sozialisten und Kapitalisten erwarten Papst Franziskus

In Kuba laufen die Vorbereitungen für den Besuch von Papst Franziskus auf Hochtouren. So steht auf dem Revolutionsplatz in Havanna bereits ein Altar.
In Kuba laufen die Vorbereitungen für den Besuch von Papst Franziskus auf Hochtouren. So steht auf dem Revolutionsplatz in Havanna bereits ein Altar. © Foto: dpa
Havanna/Washington / TOBIAS KÄUFER THOMAS SPANG, BEIDE KNA 05.09.2015
Papst Franziskus wird in den kommenden Wochen erst Kuba und dann die USA besuchen. Beide Besuche sind politisch aufgeladen: Der eine aufgrund seiner Vergangenheit, der andere aufgrund seiner Botschaft.

Es dürfte die größte Herausforderung für die römischen Planer des Kuba-Besuchs von Papst Franziskus sein: ein Treffen mit einer Zivilgesellschaft, die es offiziell gar nicht gibt. Denn auf Kuba gibt es nur eine Zivilgesellschaft - und die repräsentiert die Einheitspartei gleich mit. Alles, was nicht linientreu mitschwimmt, hat keinen Platz.

Wie schwer sich Kubas Machthaber tun, demokratische Grundrechte einer verbotenen Opposition zu respektieren, wurde am Rand des Amerika-Gipfels in Panama vor einigen Wochen deutlich. Damals reichten sich auf der großen Weltbühne die Staatsoberhäupter Raul Castro und Barack Obama die Hand. Auf den Nebenschauplätzen aber weigerte sich der Delegierte des offiziellen Kuba, mit Vertretern der Zivilgesellschaft auch nur in einem Raum zu sein. Genau diese unbequeme, "inoffizielle" Zivilgesellschaft - christliche Bewegungen, Menschenrechtsorganisationen oder verbotene Oppositionsparteien - setzt große Hoffnungen in den Besuch des Papstes vom 19. bis zum 22. September.

Der katholische Intellektuelle und Regierungskritiker Dagoberto Valdes Hernandez etwa wurde nach eigenen Angaben vom kubanischen Regime zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sein Vergehen: Gründung eines regierungskritischen Forums und Veröffentlichung eines katholischen Magazins.

Auch die Patriotische Union Kubas, eine offiziell nicht zugelassene Oppositionspartei, hofft auf eine direkte Einflussnahme des Papstes. In einem vom prominenten Regimekritiker Jose Daniel Ferrer Garcia unterzeichneten Brief an Franziskus heißt es, er wisse doch selbst aus seiner Zeit in der argentinischen Militärdiktatur, wie es sei, unter Verfolgung oder Gefängnis zu leiden, wie es sich anfühle, wenn Menschen aus politischen Gründen einfach verschwinden.

Direkt im Anschluss an seine Kuba-Reise, am 23. September, wird Franziskus die USA besuchen, wo völlig andere Probleme auf ihn warten. Vor allem seine angekündigte Rede vor dem Kongress in Washington hat viele Erwartungen geweckt.

Während die US-Demokraten hoffen, dass der Gast aus dem Vatikan den Republikanern von Armut über Einwanderung, Klima und Kuba bis hin zu Iran und Rassismus die Leviten lesen wird, wünschen sich die Konservativen klare Worte zu Abtreibung, "Homo-Ehe" und Religionsfreiheit. Vor dem Kapitol werden rund 200.000 Klimaschützer erwartet, die dort für die Botschaft der Umweltzyklika "Laudato si" eintreten wollen.

Unangenehm dürfte es nach Einschätzung von Analysten so oder so für alle Politiker werden, da sich das katholische Kirchenoberhaupt nicht in das US-amerikanische Links-Rechts-Schema einpassen lässt. Dass die Botschaft dieses Papstes jedoch Schnittmengen mit den Prioritäten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama aufweist, gehört zu den neuen Realitäten, mit denen sich die US-Konservativen auseinandersetzen müssen.

Die offene Frage bleibt, welchen Ton der Papst anschlagen wird. In den USA findet Kritik an ungebremstem Kapitalismus als "Dung des Teufels" nicht den Beifall, den Franziskus dafür jüngst auf seiner Südamerika-Reise erhielt.

US-Reportern, die kritisch nachhakten, ob er neben der Sorge für die Armen auch etwas zu den Angehörigen der "Mittelklasse" zu sagen habe, dankte der Papst für den Hinweis auf sein Versäumnis. Er werde sich gut auf den Besuch in den USA vorbereiten.

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