Kommentar Förderung von Langzeit-Arbeitslosen: Teuer, aber nötig

Unsere Redakteurin Tanja Wolter findet den Ansatz der Regierung zur Bekämpfung von Langzeit-Arbeitslosigkeit gut. Denn zur Teilhabe gehört es auch, nicht ein Kollege zweiter Klasse zu sein.
Unsere Redakteurin Tanja Wolter findet den Ansatz der Regierung zur Bekämpfung von Langzeit-Arbeitslosigkeit gut. Denn zur Teilhabe gehört es auch, nicht ein Kollege zweiter Klasse zu sein. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Tanja Wolter 09.11.2018
Die Einstellung von Langzeitarbeitslosen wird ab 2019 per Gesetz mit Milliardenaufwand staatlich gefördert. Endlich.

Es ist vollbracht, unsere „Vielbeschäftigten“-Republik wird endlich um einen sozialen Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose bereichert, der diese Bezeichnung auch verdient. Viel zu lange klammerte sich die Politik an den Irrglauben, in wirtschaftlich guten Zeiten werde schon jeder irgendwann sein Plätzchen finden. Gut, wenn sich nun die Einsicht durchsetzt, dass es Menschen gibt, die den Mechanismen auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht gewachsen sind – und die trotzdem dazugehören.

Nun wird die Förderung des sogenannten festen Kerns an Langzeitarbeitslosen also zur „Regel“. Die Zeit der Kurzfristprogramme, die im Nichts verpufften und oft nur große Enttäuschung fabrizierten, ist vorbei. Auf dem letzten Drücker hat sich die Koalition sogar noch zum Tariflohn-Prinzip bei der Lohnkostenerstattung durchgerungen. Das macht das milliardenschwere Förderinstrument zwar noch teurer. Doch zur Teilhabe gehört es nun mal auch, nicht ein Kollege zweiter Klasse zu sein.

Ob der neue Ansatz tatsächlich trägt, hängt davon ab, wie viele Stellen für Langzeitarbeitslose sich tatsächlich finden werden. Nicht nur Kommunen oder soziale Träger sind hier gefragt, sondern auch die Privatwirtschaft.  

Einfach wird dies für keinen der Beteiligten, auch wenn der Staat die Kosten zu großen Teilen übernimmt: Arbeitgeber wird es Zeit, Mühe und Geduld kosten, die Geförderten zu integrieren. Und die Arbeitslosen selbst müssen trotz vielfältiger Probleme den Weg in den Job-Alltag zurückfinden. Der finanzielle Anreiz dafür ist aber gut investiert, auch in künftige Generationen. Denn die Biografien der Eltern  prägen oft auch die ihrer Kinder.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel