Klima So bekämpfen andere Länder die Hitze

Trockene, rissige Erde statt Wasser: das Bett des Tajo-Nebenflusses Alberche in der spanischen Provinz Ávila.
Trockene, rissige Erde statt Wasser: das Bett des Tajo-Nebenflusses Alberche in der spanischen Provinz Ávila. © Foto: Moment RF/Getty Images
Paris/Madrid/Rom/Kairo / gab/heu/dah/geh 01.08.2018
Deutschland stöhnt über Rekordtemperaturen. Doch für andere Länder sind sie schon Normalität. Ein Überblick.

Der Druck auf die Bundeslandwirtschaftsministerin wächst, doch auf Soforthilfen vom Bund für den Acker­bau will sich Julia Klöckner (CDU) noch nicht einlassen. Das ist das Ergebnis, nachdem die Dürre und deren Folgen im Kabinett besprochen wurden. „Wir sind dem Steuerzahler verpflichtet, und vor allem brauchen wir valide Daten“, sagte Klöckner. Deshalb soll erst Ende August über Hilfen vom Bund entschieden werden. Mit leeren Händen kam Klöckner trotzdem nicht. Sie kündigte an, dass Tierhalter angesichts der drohenden Futterknappheit mit schnellen Hilfen rechnen können – auch wenn sie mit der Formulierung „wir lassen die Betriebe nicht im Regen stehen“ einigen Spott in sozialen Netzwerken auf sich zog. Zudem will Klöckner bei der EU erreichen, dass die strengen Regeln für ökologische Vorrangflächen gelockert werden. Doch reicht das? So gehen andere Staaten mit Hitze und Trockenheit um:

Frankreich

Canicule (Hundewetter) nennen die Franzosen Hitzeperioden, bei denen die Temperaturen über mehrere Tage hinweg selbst nachts nicht unter 20 Grad fallen. Das sind sie gewöhnt. Was die Deutschen in diesem Sommer erleben, ist bei den Franzosen ganz normal. Um der Hitze zu trotzen, haben sie vor 14 Jahren den „Canicule-Alarmplan“ ausgearbeitet. Greift der, dann wird in Seniorenheimen und Notaufnahmen der Krankenhäuser das Personal aufgestockt. In diesem Sommer ist das in bislang 19 von 101 Departements geschehen.Der Alarmplan wurde eingeführt nach der Hitzewelle des Sommers 2003. Der fielen 10.000 meist Ältere zum Opfer. Damals stürzten überlastete Notaufnahmen und überfüllte Leichenhallen das Land ins Chaos.

Spanien

Die Landwirte haben sich in Spanien auf Hitzeperioden eingestellt: Sie bewässern 3,7 Millionen Hektar Land (also in etwa der Fläche Baden-Württembergs) künstlich, das sind etwa 22 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Vielerorts wäre die Landwirtschaft ein unmögliches Geschäft, wenn der Mensch nicht bewässerte. Anders als in Nordeuropa, wo auf brachliegendem Ackerland Wald heranwächst, verwandelte sich unbebautes Land in Wüste.

Deshalb ist es essentiell, Wasserressourcen zu erschließen: Mehr als 1300 Stauseen gibt es in Spanien, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Gut die Hälfte des bewässerten Landes hat moderne Systeme, die den Pflanzen die Wassermenge zuführen, die sie brauchen, und nicht mehr. Falls das Wasser einmal ausgehen sollte, stehen an der Mittelmeerküste Meerwasserentsalzungsanlagen bereit. Sie sind die Quelle der Zukunft, für Landwirte wie für die Haushalte.

Nordafrika/Naher Osten

Wassernot und Ernteschwankungen gehören in Nordafrika und im Nahen Osten zum Alltag. In Tunesien etwa zittern die Verantwortlichen jedes Frühjahr, ob die Regenmenge für die niederschlagsfreien Sommer- und Herbstmonate reicht. Der Wasservorrat wird in Talsperren gesammelt oder im Grundwasser. Trotzdem wird immer noch viel zu viel verschwendet, etwa in großen Obstplantagen ohne Tröpfchenbewässerung. Wie Tunesien müssen praktisch alle Länder des Nahen Ostens Getreide zukaufen. Bekanntestes Beispiel ist Ägypten, einst die Kornkammer der antiken Welt. Um die 95 Millionen Menschen zu ernähren, ist Kairo seit Jahren der größte Getreideimporteur der Welt.

Italien

In Jahren mit Rekordhitze und geringen Niederschlägen wie im vergangenen Sommer wird in einzelnen Regionen Italiens wegen drastischer Einbußen der Landwirtschaft immer wieder der Notstand ausgerufen. Seit jeher bemühen sich Landwirte jedoch darum, ihre Ernten durch Bewässerungssysteme vor Dürrezeiten zu schützen.  Doch laut nationalem Statistikinstitut Istat versickert knapp vierzig Prozent des Trinkwassers aufgrund von Lecks in den Leitungen im Erdreich. Auf zunehmend extreme Wetterphänomene wie Trockenheit und starke Regenfälle reagiert die Forschung, indem sie High-Tech-Systeme mit Drohnen zur Erkundung des Wasserbedarfs der einzelnen Böden entwickelt.

Andererseits wird verstärkt darauf geachtet, weniger Pflanzen mit hohem Wasserbedarf anzubauen – und die Verschwendung durch bestimmte Bewässerungssysteme, die Wasser verdunsten anstatt es abends direkt ins Erdreich tropfen zu lassen, zu reduzieren.

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