Frankreich Skandal um Wächter im Elysée-Palast

Emmanuel Macrons Ex-Leibwächter Alexandre Benalla steht unter Anklage.
Emmanuel Macrons Ex-Leibwächter Alexandre Benalla steht unter Anklage. © Foto: afp/Ludovic Marin
Paris / Peter Heusch 24.07.2018

Es ist die Geschichte einer steilen Karriere und eines heftigen Absturzes, die dieser Tage in der Französischen Republik hohe Wellen schlägt. Eigentlich hatte Alexandre Benalla, persönlicher Leibwächter von Staatspräsident Emmanuel Macron und stellvertretender Chef des Präsidialkabinetts, am Samstag seine Hochzeit feiern wollen. Doch einen Tag zuvor war der 26-jährige Franzose nordafrikanischer Abstammung in Polizeigewahrsam genommen worden. Nach einem 48-stündigen Verhör wurde  Anklage erhoben wegen Gewalttätigkeit und Amtsanmaßung.

Benalla soll bei einem Polizeieinsatz am 1. Mai im Quartier Latin mit großer Härte gegen zwei Demonstranten vorgegangen sein, obwohl er nur als Beobachter vor Ort war und keineswegs über die Befugnisse eines Ordnungshüters verfügte. Der Vorfall war erst vor wenigen Tagen durch einen Bericht der Tageszeitung „Le Monde“ publik geworden, die Benalla auf in sozialen Netzwerken zirkulierenden Videos über die  Ausschreitungen bei der Mai-Demonstration identifiziert hatte.

Medien hegen den Verdacht, dass der Elysée-Palast das vertuschen wollte. Tatsächlich erfuhr Innenminister Gérard Collomb am 2. Mai von den Übergriffen und unterrichtete das Präsidialamt. Dieses begnügte sich damit, Benalla für zwei Wochen ohne Gehalt zu suspendieren. Es handele sich um die schwerste Sanktion für „inakzeptables Verhalten“, die je gegen einen Mitarbeiter  ausgesprochen wurde, versicherte Macrons Sprecher.

Am Freitag kam auf, dass drei hohe Pariser Polizeioffiziere Benalla auf dessen Bitte hin die Videoaufnahmen der Behörden vom 1. Mai übergeben haben. Diesmal reagierten Elysée-Palast und Justiz umgehend. Benalla wurde fristlos gekündigt, Ermittler nahmen sowohl ihn, die drei Polizeioffiziere als auch einen Freund Benallas fest, der am 1. Mai ebenfalls als Beobachter an seiner Seite war. Gestern meldete sich Benalla zu Wort: Er habe der Polizei am lediglich helfen wollen, ließ er über seine Anwälte erklären. Der Vorfall sei für „mediale und politische Zwecke“ ausgenutzt worden.

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