Mit drastischen Einschränkungen wollen Bund und Länder die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bremsen. „Das sind Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend in Berlin. Es gehe darum, soziale Kontakte zu verringern. Das wirtschaftliche Leben, die Energieversorgung und die medizinische Versorgung sollten aufrecht erhalten werden, sagte Merkel. Das Gesundheitssystem solle nicht überfordert werden. Bund und Länder beschlossen einen insgesamt anderthalbseitigen Handlungskatalog, den Merkel komplett vorlas.

Shutdown in Deutschland wegen Corona

Die Umsetzung der nun beschlossenen Maßnahmen obliege den Ländern und Kommunen. „Natürlich wird es Kontrollen geben“, betonte die Kanzlerin, die nüchtern und gefasst auftrat. Sie hoffe, „dass es ein gewisses Einsehen der Menschen gibt“, sagte Merkel. Es sei beispielsweise sinnlos eine Schule zu schließen, wenn sich die gleichen Schüler dann woanders treffen. „Wir kommen desto schneller durch diese Phase hindurch, je mehr sich jeder einzelne an diese Auflagen und an diese Regelungen hält.“

Rückholaktion für deutsche im Ausland

Am Dienstag verkündete Außenminister Heiko Maas (SPD) eine weitere Maßnahme: Wegen des Coronavirus wird eine Rückholaktion für tausende Deutsche gestartet, die wegen Reisebeschränkungen in der Corona-Krise im Ausland festsitzen. Er kündigte an, bis zu 50 Millionen Euro dafür zur Verfügung zu stellen.

Hier die weiteren Maßnahmen im Überblick:

Einzelhandel: Diese Geschäfte haben geöffnet

Ausdrücklich nicht geschlossen werden soll eine Reihe von Geschäften:

  • Lebensmitteleinzelhandel
  • Wochenmärkte
  • Abhol- und Lieferdienste
  • Getränkemärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien,
  • Tankstellen
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Friseure
  • Reinigungen
  • Waschsalons
  • der Zeitungsverkauf
  • Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte
  • Großhandel

Für diese Bereiche sollen sogar Sonntags-Verkaufsverbote bis auf weiteres ausgesetzt werden. Kommen sollen Auflagen zur Hygiene, zur Zutritts-Steuerung und zum Vermeiden von Warteschlangen. Schließen müssen aber übrige Geschäfte, unter anderem Outlet-Center.

Nicht mehr geöffnet haben hingegen Ikea-Filialen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Gesundheitswesen: Praxen und Klinken bleiben offen

Alle Einrichtungen des Gesundheitswesen sollen unter Beachtung höherer Hygiene-Anforderungen geöffnet bleiben.

Berlin

Freizeit: Weite Einschränkungen des öffentlichen Lebens

Schließen müssen aufgrund des Shutdowns:

  • Bars
  • Clubs
  • Diskotheken
  • Kneipen.

Ebenso davon betroffen sind

  • Theater
  • Opern
  • Konzerthäuser
  • Museen.

Dies gilt auch für

  • Messen
  • Ausstellungen
  • Kinos
  • Freizeit- und Tierparks
  • Anbieter von „Freizeitaktivitäten“ drinnen und draußen
  • Spielhallen
  • Spielbanken
  • Wettannahmestellen
  • Prostitutionsstätten und Bordelle.

Auch der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen solle geschlossen werden. Auch Spielplätze sollen gesperrt werden.

Bis auf weiteres verboten werden sollen Gottesdienste, Treffen in Vereinen sowie Busreisen.

Bildung:

Verboten werden sollen Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen. Außerdem Angebote in Volkshochschulen, Musikschulen und anderen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen.

Einreiseverbot: EU macht 30 Tage Grenzen dicht

Am Dienstagabend hat Angela Merkel bekanntgegeben, dass es ein Einreiseverbot in die EU geben wird. Die Einreise für Nicht-EU-Bürger werde ab sofort verboten. Es gibt aber Ausnahmen.

Tourismus: Keine Urlaubsreisen in In- und Ausland

Übernachtungsangebote im Inland sollen nur noch zu „notwendigen“ und nicht mehr zu touristischen Zwecken genutzt werden können. Das bringe es auch mit sich, „dass es keine Urlaubsreisen ins In- und auch keine ins Ausland geben soll“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Ausdrücklich verboten werden zudem Reisebusreisen.

Handwerker sollen weiter voll arbeiten können

Dienstleister und Handwerker sollen ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen können.

Gottesdienste werden ausgesetzt

Nicht mehr möglich sind Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und bei anderen Glaubensgemeinschaften.

Besuchsbeschränkungen: Regelungen für Pflegeheime und Kliniken

Besuchsbeschränkungen sollen für Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehaeinrichtungen sowie Pflegeheime kommen – sie können zum Beispiel Besuch einmal am Tag für eine Stunde zulassen, aber nicht von Kindern unter 16 Jahre und nicht von Besuchern mit Atemwegsinfektionen. Generell soll es dort und auch in noch offenen Universitäten, Schulen und Kindergärten ein generelles „Betretungsverbot“ für Menschen geben, die in den vergangenen 14 Tagen in Risikogebieten im Ausland oder besonders betroffenen Regionen im Inland waren.

Gastgewerbe: So sehen die Bestimmungen für Bars und Restaurants aus

Restaurants und Speisegaststätten sollen frühestens ab 6 Uhr öffnen dürfen und müssen spätestens um 18 Uhr schließen. Mensen, Restaurants, Speisegaststätten und Hotels sollen das Risiko einer Virus-Verbreitung minimieren – etwa durch Abstandsregeln für Tische, Begrenzungen der Besucherzahl oder Hygienemaßnahmen.

Fußball-Europameisterschaft erst 2021, Bundesliga hofft

Die Fußball-EM soll ins kommende Jahr, also 2021, verlegt werden. Darüber hat die UEFA-Führung mit den nationalen Verbänden am Dienstag befunden. Davon abhängig ist, wie es mit der Fußball-Bundesliga-Saison weiter geht: Es ist eher unwahrscheinlich, dass der Spielbetrieb am ersten April-Wochenende wieder startet.

Kampf gegen Coronavirus: Deutschland schließt Grenzen

Im Kampf gegen das Coronavirus hatte Deutschland am Montag an den Übergängen zu Österreich, Frankreich, Luxemburg und Dänemark sowie zur Schweiz mit strengen Grenzkontrollen begonnen. Damit soll eine rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verhindert und die Zahl der Infizierten und Toten klein gehalten werden. An einigen Grenzübergängen bildeten sich mit Beginn der Kontrollen am Montag um 8 Uhr längere Staus. Kleinere Straßen – etwa von Frankreich nach Baden-Württemberg – wurden komplett gesperrt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Maßnahmen am Sonntagabend angekündigt. Sie waren zuvor von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Seehofer und mehreren Ministerpräsidenten vereinbart worden.

Wegen der Coronakrise haben außerdem bereits Zehntausende Schulen und Kitas in Deutschland zugemacht. Die flächendeckenden Schließungen gelten in der Mehrzahl der Bundesländer seit diesem Montag.