Kommentar Segensreiche Fledermäuse im Hambacher Forst

Es ist vernunftwidrig, eine überholte Form der Energiegewinnung auf Kosten von Landschaft, Klima und Menschen auszuweiten, findet unser Berlin-Korrespondent André Bochow.
Es ist vernunftwidrig, eine überholte Form der Energiegewinnung auf Kosten von Landschaft, Klima und Menschen auszuweiten, findet unser Berlin-Korrespondent André Bochow. © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / André Bochow 05.10.2018
Es lebe die Bechsteinfledermaus. Dank ihr ist die Rodung des Hambacher Forstes gestoppt und damit eine überholte Technologie.

Der Hambacher Forst ist eine Restwaldfläche. 200 Hektar groß. Die hat der Braunkohlebergbau von ursprünglich 4000 Hektar übriggelassen. Nun stört der Restwald. Folgt man der Argumentation des Essener RWE-Konzerns, dann bräche die Energieversorgung mindestens in  Nordrhein-Westfalen zusammen, wenn die Bäume nicht dem Bergbau weichen würden. Die Justiz hat die Rodung untersagt, damit keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden. Zurecht.

Dass es die Bechsteinfledermaus ist, die vorerst die extrem umweltschädliche Braunkohleförderung  stoppt, mag vielen lächerlich erscheinen. Angesichts des martialischen Polizeiaufgebotes der vergangenen Wochen, angesichts von Verletzten und eines Toten bei der Schlacht um ein Wäldchen.

Überholte Form der Energiegewinnung

Im Endeffekt ist es aber letztlich egal, auf welche Weise sich Vernunft durchsetzt. Während die Kohlekommission  berät, wann und wie man aus der Braunkohle aussteigt, während moderne Gaskraftwerke stillstehen und die erneuerbaren Energien sich nach Ansicht der Bundesregierung so gut entwickeln, dass sie der staatlichen Unterstützung eigentlich nicht mehr bedürfen, ist es vernunftwidrig, eine überholte Form der Energiegewinnung auf Kosten von Landschaft, Klima und Menschen auszuweiten.

Die Münsteraner Richter haben also, wenn auch nur vorerst, mehr gerettet als nur fliegende Säugetiere. Möglicherweise helfen sie sogar einigen Politikern. Sollte der Rodungsstopp im Hambacher Forst der Anfang vom Ende der Tagebauerweiterungspläne des RWE-Konzerns sein, wird man vielleicht auch vergessen, wer solchem Unsinn die Tür und Tor öffnen wollte.

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