CSU Seehofer und Söder zelebrieren Harmonie

Die persönliche Fehde beendet? Horst Seehofer und Markus Söder finden fast nur Lob für einander.
Die persönliche Fehde beendet? Horst Seehofer und Markus Söder finden fast nur Lob für einander. © Foto: dpa
Nürnberg / Patrick Guyton 18.12.2017
Der CSU-Parteitag vollzieht die vereinbarte Machtübergabe auf Raten. Die Delegierten verpassen dem neuen und alten Vorsitzenden sein schlechtestes Ergebnis.

Am Ende halten sie sich sogar an den Händen und recken sie gemeinsam Richtung Decke der Nürnberger Messehalle. Horst Seehofer, der Alte, und Markus Söder, der Neue. Der Applaus der 827 registrierten CSU-Delegierten brandet ihnen entgegen. Markus Söder ruft: „Wir setzen ein Signal von authentischer Geschlossenheit.“

Geschlossen zeigt sich die Partei schon auf diesem Konvent, der die teilweise Machtübergabe besiegelt. Im Frühjahr will Seehofer seinen Job als Ministerpräsident an Söder weiterreichen. Aber authentisch? Selbst manchen CSU-Anhängern ist die Harmonieshow etwas zu dick aufgetragen. Haben sich die beiden doch seit dem CSU-Desaster bei der Bundestagswahl mit fast allen Mitteln befehdet. Seehofer musste vor zwei Wochen erkennen, dass kein Weg an dem ewig drängenden Söder vorbeiführt.

Seehofer hält eine ziemlich schwunglose Rede. Er warnt die Partei davor, sich nicht selbst „zu verzwergen“. Ein Delegierter sagt auf dem Gang: „Die Rede hätte er vor zehn Jahren auch schon halten können.“ Schließlich lobt Seehofer den Freistaat und die CSU auf eine Weise, wie es einem Katholiken eigentlich verboten ist: „Bayern ist das Paradies.“

Nun schlägt Söder Seehofer als Kandidat für den Parteivorsitz vor. Er zolle ihm „ganz persönlichen Respekt“, säuselt Söder. Dazu, dass Seehofer ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen hat, sagt der Franke: „Ich habe viel von Dir gelernt, Du hast mich auch manchmal geprüft.“ Mit 83,7 Prozent erhält Seehofer eine sehr mäßige Zustimmung. Es ist sein schlechtestes Ergebnis als Parteichef.

Spiegelverkehrt schlägt Seehofer Söder als neuen Ministerpräsidenten-Kandidaten vor, und Söder setzt einen der wenigen Lacher: „Vielen Dank, dass Du Deine Meinung behalten hast.“ In seiner Bewerbungsrede lobt der 50-Jährige immer wieder den „Horst“ und sagt: „Bayern soll bleiben, wie es ist, und sich trotzdem weiterentwickeln.“ Die Abstimmung über Söder erfolgt offen. So strecken denn die allermeisten brav den Arm nach oben. Vier Delegierte lehnen ihn ab. 

Einzelkämpfer Söder

Der Generationenwechsel und ein bisschen Abschied umwehen dieses Treffen. Barbara Stamm wird mit riesigem Applaus als CSU-Vize verabschiedet. Bundesagrarminister Christian Schmidt macht Platz für die 42-jährige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Als weitere Vize werden der EU-Politiker Manfred Weber (45 Jahre), die Frauen-Unions-Vorsitzende Angelika Niebler (54), der Augsburger OB Kurt Gribl (53) und die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (39) gewählt. Mit ihnen allen muss der Einzelkämpfer Söder nun im Team arbeiten, bis zur Landtagswahl sind es nur noch zehn Monate. „Wir können es schaffen“, ruft er und kündigt an: „Einen Wahlschlaf wird es nicht geben.“