München Leitartikel zur CSU: Seehofer hat harten Wettkampf verloren

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der bayerische Finanzminister und zukünftige bayerische Ministerpräsident Markus Söder (rechts).
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der bayerische Finanzminister und zukünftige bayerische Ministerpräsident Markus Söder (rechts). © Foto: Amelie Geiger/dpa
München / Patrick Guyton 05.12.2017

Dieses Ergebnis der personellen Zukunftsausrichtung hätten Horst Seehofer und die CSU auch einfacher haben können. Um zu der erwartbaren und recht einfallslosen Lösung zu gelangen, dass der ehrgeizige Markus Söder das Amt des Ministerpräsidenten erbt und Seehofer als Parteichef noch eine Weile weitermacht, wären die schlimmen Verwerfungen der vergangenen Monate nicht nötig gewesen.

Seehofer, der sich gern als großer Stratege gibt und die Dinge „vom Ende her betrachtet“, wie er sagt, hat Söder unterschätzt. Er hat in diesem harten Ringen über viele Tage und Nächte verloren. Letztlich musste er Söder das Amt antragen, weil er dessen starker, über Jahre aufgebauter Macht nicht standhalten, ihn nicht niederringen konnte. Seehofer hätte sich seinen Abtritt auf Raten anders vorgestellt, nur wie, das wusste er wahrscheinlich selbst nicht.

Die CSU stellt immer wieder Behauptungen auf, was alles Markenzeichen der Partei sei. Dazu gehören die angebliche Hoheit über die Stamm­tische oder die christlich-konservative Werteordnung. Ein Markenzeichen ist aber auch, vom einen auf den anderen Moment kollektiv den Hebel umzulegen und so zu tun, als sei nichts gewesen. Jetzt wird Söder unterstützt, auch wenn man sich davor den Mund über ihn zerrissen hat. An seinem Erfolg hängen nun viele Pöstchen und Mandate. Es ist gut möglich, dass dies die Partei nun ein Stück weit wieder zusammenführt. Gemeinsam ist man zum Erfolg verdammt. Seehofer und Söder sollten wissen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Mit dieser Doppelspitze ist nun genau die Konstellation eingetreten, die viele in der CSU für wünschenswert, aber ausgeschlossen gehalten haben.

In Bayern sollte jetzt bitte wieder Politik gemacht werden. Seit Monaten tut sich auf Landesebene, grob gesprochen, gar nichts mehr. Im Großraum München sprengen die Miet- und Immobilienpreise jeden Rahmen, das Leben dort ist für Normalverdiener schlichtweg nicht mehr zu bezahlen. Zugleich werden andere Regionen, speziell Ober- und Unterfranken, abgehängt, sie verkümmern, auch wenn die Staatsregierung anderes behauptet.  Der Konflikt zwischen Wirtschaftskraft und Umweltschutz verschärft sich, der Streit über eine neue dritte Startbahn am Flughafen München steht dafür schlaglichtartig. All das sind auch Themen für die Opposition, die sich unter der Seehoferschen Dauerregentschaft nie richtig profilieren konnte. Ein Ministerpräsident Söder bietet SPD, Grünen und Freien Wählern neue Chancen, auch weil er sich durch seine offensivere Art angreifbarer macht.    

Söder hofft darauf, dass ein neues Kapitel im Geschichtsbuch des Freistaats aufgeschlagen wird. In dem will er natürlich eine herausragende Rolle einnehmen. Doch es kann auch anders ausgehen. Stagniert die CSU in ihrer Beliebtheit – sie steht derzeit bei 37 Prozent –, geht die Landtagswahl im Herbst 2018 krachend verloren. Söder bräuchte nicht nur einen, sondern sogar zwei kleinere Koalitionspartner. Allzu lange wäre er in diesem Fall nicht Ministerpräsident.

leitartikel@swp.de

Mehr zum Thema

Blau-weißer Machtwechsel: Markus Söder ist am Ziel seiner Träume
Markus Söder hat sich durchgesetzt.Er wird Horst Seehofer im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten beerben. Dafür will der 68-Jährige CSU-Vorsitzender bleiben.
Weiterlesen...

Politikwissenschaftler: Harmonie bei der CSU ist nur vorübergehend
Die CSU demonstriert Einigkeit. Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler von den „Blättern für deutsche und internationale Politik“, sieht das skeptisch.
Weiterlesen...